Mozart, Wolfgang Amadeus

Requiem

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Naxos 8.557728
erschienen in: das Orchester 10/2006 , Seite 93

Man mag es kaum glauben, dass bere­its die zweite Hal­bzeit des schö­nen, reichen Mozart-Jubiläum­s­jahres ein­geläutet wurde. So viel Kost­bares ist inzwis­chen ent­standen auf dem lit­er­arisch-wis­senschaftlichen wie auf dem medi­alen und Ton­trägersek­tor. Auf eine neue Auf­nahme des Requiems ist man natür­lich beson­ders ges­pan­nt, sind doch inzwis­chen alle Rät­sel gelöst um den so genan­nten geheimnisvollen Boten, und die Reha­bil­i­ta­tion des Franz Xaver Süss­mayr gilt auch als abgeschlossen.
Nun also zu den Vorzü­gen der „Leipziger“ Toten­messe. Jed­er einzelne Satz gewin­nt sofort sein eigenes Pro­fil, nimmt Schwung auf und besticht durch eine verblüf­fende Mis­chung aus Kraft und Leichtigkeit. Wun­der­bar artikuliertes und artikulieren­des Musizieren im Orch­ester kor­re­spondiert mit ein­er Lebendigkeit und Präzi­sion des Chors, der sich durch Aus­ge­wogen­heit und Durch­hör­barkeit bis in die kle­in­sten Details ausze­ich­net. Die Leipziger sin­gen schlichtweg auf dem Niveau der weltbesten Kam­mer­chöre. In dieses Musizieren fügt sich das aus­geze­ich­nete Solis­te­nensem­ble mit dem beein­druck­enden Solo-Posaunis­ten har­monisch ein. Sel­ten hat man eine Requiem-Inter­pre­ta­tion ver­nom­men, die als Ganzes und in den Teilen solcher­maßen als Ein­heit daherkommt. Diese Auf­nahme lässt durch ihre Ern­sthaftigkeit und zugle­ich Spiel­laune (Fugen-Abschnitte!) wie kaum eine andere erah­nen, ja macht glauben, welche Ein­stel­lung Mozart bei der Kom­po­si­tion bes­timmt haben mochte: Den Tod nicht darstellen als Schreck­ge­spenst, son­dern als den, welchen er – prak­tisch von Kind an – als seinen „besten Fre­und“ zu beze­ich­nen pflegte.
Auf gle­ichem Stan­dard wer­den auch die bei­den der CD zugegebe­nen Werke Inter natus mulierum und Mis­eri­cor­dias Domi­ni musiziert.
Wern­er Weiß