Werke von Gabriel Fauré und Francis Poulenc

Requiem/Gloria

Françoise Pollet, François Le Roux, Chor der Württembergischen Staatstheater Stuttgart, Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Ltg. Georges Prêtre

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: SWRmusic
erschienen in: das Orchester 5/2026 , Seite 75

Formstrenge kennzeichnet das Werk von Gabriel Fauré, dessen Requiem op. 48 hier mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR unter der inspirierenden Leitung von Georges Prêtre zu hören ist. Klarer Aufbau, verhaltenes Espressivo und transparenter Klang stechen dabei deutlich hervor. Neoklassizistisch und kammermusikalisch erscheint dieses Requiem. Die milde Trauer überdeckt dabei die Schrecken des „Dies irae“, alles klingt mit einem friedvollen „Wiegenlied des Todes“ aus.
Sechs der sieben Sätze sind in langsamen Tempi gehalten, die Georges Prêtre mit dem Orchester fast sphärenhaft auskostet. Das „Libera me“ wirkt ungleich dramatischer als die anderen Sätze. Immer wieder sticht die sonore Charakterisierungskunst des Baritons François Le Roux hervor. Dynamische Fortissimo-Kontraste zeigen sich vor allem im ersten Satz. Der Unisono-Beginn des Orchesters wirkt geheimnisvoll. Die strahlkräftige Intonation des Südfunk-Chors (heute SWR-Vokalensemble) und des Chors der Württembergischen Staatstheater Stuttgart kommt bei dieser Aufnahme gut zur Geltung, wobei das „Te decet“ in den Sopranen geradezu hymnisch aufstrahlt. Prêtre arbeitet auch bei den anderen Sätzen den typischen „Wiegenlied“-Charakter überzeugend heraus. Zart erscheinen die Arpeggien der Harfe im „Sanctus“, die ein Wechselspiel mit den Sopranen und den Männerstimmen des Chors beginnen. Françoise Pollet (Sopran) gestaltet das innige Solo „Pie Jesu“ im vierten Satz voll bewegender Ausdruckskraft.
Übersteigerte Chromatik sowie berührende Schlichtheit in Harmonie und Melodie beherrschen Francis Poulencs Gloria, das Prêtre mit dem konzentriert agierenden Ensemble durchaus vital und elektrisierend interpretiert. Das markante, fanfarenartige Motiv im Orchester setzt sich bei dieser Wiedergabe sehr konsequent durch. Das G-Dur der Grundtonart behauptet sich machtvoll, fast magisch – und alles endet in einem fahl wirkenden h-Moll-Akkord, wobei Georges Prêtre genau auf dezente Klangfarben achtet. Selbst das Kapriziös-Unterhaltsame, Tänzerisch-Lockere dieser Musik wird von Prêtre nie verleugnet. Frische und Natürlichkeit dominieren und beherrschen auch das Sopransolo von Françoise Pollet. Die markante Rhythmik des zweiten Satzes „Laudamus te“ zeigt den Einsatz des Chore sehr energisch. Tänzerisch wirkt das Scherzo. Die langsamen Moll-Sätze drei und fünf bieten dann starke dynamische Kontraste. Die fast barocke Arie des dritten Satzes erinnert an Strawinsky und den Neoklassizismus.
Doch nichts wird bei dieser Einspielung aus dem Jahre 1997 im Dom zu Speyer übertrieben. Das wunderbar fließende Melos des „Qui tollis peccata mundi“ arbeitet Prêtre sehr intensiv heraus. Die klangliche Einheit bleibt immer gewahrt. Empfehlenswert.
Alexander Walther

 

 

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