Mozart, Wolfgang Amadeus

Requiem d‑Moll

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Rondeau ROP 4019
erschienen in: das Orchester 01/2007 , Seite 89

Diese Neuauf­nahme des Requiems von Wolf­gang Amadeus Mozart enthält eine vor­sichtige und maßvolle Revi­sion der Ver­sion Franz Xaver Süß­mayrs durch Franz Bey­er. Zutr­e­f­fend beschreibt das umfan­gre­iche Book­let das Requiem als „work in progress“; auch diese kaum auf­fäl­lige Fas­sung wird Befür­worter und Kri­tik­er find­en.
Wichtiger als der Stand der Bear­beitung des Noten­texts ist die inter­pre­ta­torische Leis­tung. Georg Christoph Biller wählte, wie kaum anders zu erwarten, ein Ensem­ble, das aus Mit­gliedern des Gewand­hau­sor­ch­esters beste­ht; das Beglei­theft zählt acht erste Vio­li­nen, acht zweite Vio­li­nen, ins­ge­samt 40 Instru­men­tal­is­ten. Das ist weniger als etwa bei Her­reweghe; entsprechend kam­mer­musikalisch und trans­par­ent geht es hier zu, ohne dass die „phil­har­monis­che“ Tra­di­tion gän­zlich ver­leugnet wor­den wäre. Der Thoman­er­chor singt sowohl die Aggres­siv­ität wie auch die zarten Momente der Par­ti­tur voll aus; bemerkenswert zum Beispiel ist die fast überirdis­che Schön­heit des „Voca me“ im Confu­tatis. Dabei wird ein Äußer­stes an Frische und Trans­parenz gegeben. Der Knaben­chor ste­ht den „erwach­se­nen“ Chören in kein­er Weise nach.
Ins­ge­samt ist der Duk­tus der Auf­nahme unsen­ti­men­tal, lässt aber der Emo­tion­al­ität ihren Raum. Die Solis­ten passen sich dem Gesamtk­lang her­vor­ra­gend an. Vor allem Jut­ta Böh­n­ert (Sopran) set­zt ihr Vibra­to sehr gezielt, also keineswegs undif­feren­ziert ein; sie kann im ersten Moment mit einem Knaben­so­pran ver­wech­selt wer­den. Der Bass Got­thold Schwarz’, etwas großzügiger mit dem Vibra­to, bleibt gle­ich­wohl schlank. Ähn­lich­es ist von Susanne Krumbiegel (Alt) und Mar­tin Pet­zold (Tenor) zu ver­merken. Die Neuauf­nahme besticht durch ihre Qual­itäten und nimmt einen guten Mit­telplatz ein zwis­chen his­torisch­er Auf­führung­sprax­is und phil­har­monis­ch­er Bre­ite. Sie ist empfehlenswert.
Diederich Lüken