Olive, Vivienne

Ragtimes and Sad Songs (2009) für 10 Blechbläser

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Furore, Kassel 2010
erschienen in: das Orchester 06/2011 , Seite 73

Vivi­enne Olive, die in Nürn­berg lebende britis­che Kom­pon­istin, hat die vor­liegen­den fünf Stücke ursprünglich für das Sax­o­fon­quar­tett Fias­co Clas­si­co geschrieben. Nun hat sie es für ein Blech­bläserensem­ble, beste­hend aus vier Trompe­ten, Horn, drei Posaunen, Bass­posaune und Tuba, arrang­iert.
Die fünf Sätze, im Wech­sel schneller Rag und ruhiger Sad Song, wirken lebendig und musikan­tisch. Ein kurzes Vor­wort in der Par­ti­tur sagt: „Im Stil der ‚gehobe­nen‘ Unter­hal­tungsmusik. Sehr eingängige Melo­di­en“. Dem ist nur noch hinzuzufü­gen, dass die Stücke sich als stilis­tis­che Ein­heit erweisen. Und so sind bei gründlichem Betra­cht­en der for­malen Anlage klare Struk­turen, eingängige melodis­che Ein­fälle und dur­chaus auch über­raschende Wen­dun­gen zu ent­deck­en; so etwa der choralar­tige Beginn des mit­tleren Rag­times.
Die bläserischen Ansprüche sind gehoben, ohne exor­bi­tante Leis­tungern zu fordern. Lediglich die Pic­co­lo-Trompete, die zweimal einge­set­zt wird, benötigt einen Spiel­er mit leichter Höhe. Stu­den­tis­che Ensem­bles, aber auch gute Schüler-Ensem­bles kön­nen sehr gut daran arbeit­en. Die musikalis­chen Ideenge­ber, Rag­times also, tre­f­fen den Geist der jun­gen Blech­bläs­er unser­er Zeit, denen solche Spaß ver­mit­tel­nden Stücke bekan­nter­maßen gefall­en.
Die Par­ti­tur, in der vor­liegen­den Form, ist durchgängig in C geschrieben, Horn eben­so wie Trompe­ten und Pic­co­lo-Trompete. Das über­rascht insofern, als ein Ensem­bleleit­er sich auch sprach­lich mit seinen Musik­ern so ver­ständi­gen sollte, dass keine Missver­ständ­nisse auftreten. Lei­der liegen der Rezensentin die einzel­nen Stim­men nicht vor, sodass genau darüber keine Aus­sage getrof­fen wer­den kann. Let­ztlich hat der Ver­lag die Art der Veröf­fentlichung zu ver­ant­worten.
Zum Ver­lag sei hier ange­merkt, dass der Furore-Ver­lag Kas­sel sich auss­chließlich Werken von Kom­pon­istin­nen wid­met. Er ver­tritt somit dur­chaus ver­di­en­stvoll einen nicht unwesentlichen Teil sowohl der zeit­genös­sis­chen als auch der his­torischen Musik­land­schaft. Abge­se­hen von der Frage nach den Stim­mungen der Instru­mente ist das Noten­bild der Par­ti­tur klar und gut leser­lich. Die vor­liegende Par­ti­tur hat eine Spi­ral­bindung und lässt sich dur­chaus leicht blät­tern.
Zusam­men­fassend kann man sagen, die fünf Stücke sind inter­es­sant genug, dass sich ein jedes ambi­tion­ierte Blech­bläserensem­ble mit Vergnü­gen daran messen kann.
Annette Brun­sing