Dimler, Franz Anton

Quartett für Klarinette in B, Violine, Viola und Violoncello

Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: edition ebenos, Aachen 2005
erschienen in: das Orchester 09/2007 , Seite 82

Quar­tette für Klar­inette und Stre­ichtrio waren in der Klas­sik eine inten­siv­er gepflegte Beset­zung als das Klar­inet­ten­quin­tett. Carl Stamitz, Bern­hard Hen­rik Crusell, Casimir Anton Cartel­lieri, Franz Anton Krom­mer u.a. sind hier zu nen­nen. Nun hat Philipp Zehm ein weit­eres Quar­tett als Par­ti­tur und Stim­men­satz zugänglich gemacht, das als Manuskript in der Bib­lio­thèque Nationale Paris liegt und mit 1798 datiert ist.
Der Kom­pon­ist des vor­liegen­den Quar­tetts in B‑Dur, Franz Anton Dim­ler, darf get­rost als Klein­meis­ter beze­ich­net wer­den. Seine Lebens­dat­en schließen die Leben­szeit Mozarts und Beethovens ein: Er wurde 1753 in Mannheim geboren und ver­starb 1827 in München. Er studierte bei dem berühmten Abbé Vogler, ist aber über das, was die Mannheimer Schule stil­bildend her­vorge­bracht hat, nicht hin­aus­gekom­men. Erfolge hat­te er zeitlebens mit Bal­lettmusiken, Opern und Operetten.
Für seinen Klar­inette spie­len­den Sohn Anton, der wie sein Vater Mit­glied der Münch­n­er Hofkapelle war, hat er drei Klar­inet­tenkonz­erte, von denen ein Konz­ert in B‑Dur gedruckt vor­liegt, und dieses erst­mals veröf­fentlichte Quar­tett in B‑Dur geschrieben.
Der erste Satz Alle­gro mod­er­a­to hebt mit ein­er an Mozart gemah­nen­den Kon­trast­pe­ri­ode an, ver­fällt dann aber in typ­is­che Mannheimer Fig­uren. Recht geschickt beteiligt Dim­ler das Stre­ichtrio an der Ver­ar­beitung, sodass die Stre­ich­er nicht nur in die Begleitrolle gedrängt wer­den. Die Durch­führung lässt mit eini­gen har­monis­chen Schär­fen etwas Dra­matik durch­scheinen. Nach einem wenig inspiri­erten dre­it­eili­gen Ada­gio espres­si­vo kehrt im Ron­deau die Lebendigkeit zurück. Der Schlusssatz über­trifft mit seinen 314 Tak­ten die Länge und das Gewicht des Kopf­satzes. Hier kommt es zu ein­er abwech­slungsre­ichen Gestal­tung der Cou­plets und die Stre­ich­er haben wieder bedeu­ten­den Anteil am motivis­chen Geschehen. Schließlich über­lässt Dim­ler beim let­zten The­me­nauftritt der Vio­line die Ron­do-Melodie, während die Klar­inette mit typ­is­chen Dreik­langsarppegien in der anson­sten ver­nach­läs­sigten Chalumeau-Lage begleit­et.
Das schlichte und sehr gefäl­lige Quar­tett ist von Ama­teur-Musik­ern ohne Mühe zu bewälti­gen und kann auch im begin­nen­den Kam­mer­musik-Unter­richt der Musikschule bere­its in der Mit­tel­stufe Spiel­freude ver­mit­teln.
Herib­ert Haase