Hotteterre, Jacques martin

Principes de la Flûte

Kommentierte Übersetzung aus dem Französischen mit Einführung und Zusammenfassung sowie Grifftabellen für Traversflöte, Blockflöte und Oboe von Karl Kaiser

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Walhall, Magdeburg 2014
erschienen in: das Orchester 10/2014 , Seite 71

Jacques Mar­tin Hot­teter­res Principes de la Flûte ist die erste Schule über­haupt, die sich dem Spiel der sich erst zu Beginn des 18. Jahrhun­derts als Soloin­stru­ment etablieren­den Tra­vers­flöte wid­met. Also ein Werk, das auch für heutige Flötis­ten, die sich mit der (ins­beson­dere franzö­sis­chen) Musik des 18. Jahrhun­derts befassen, zur absoluten Grun­dausstat­tung gehört – und manch anderem Instru­men­tal­is­ten mag es eben­falls von Nutzen sein: Denn Hot­teterre (1673–1763) beschreibt in seinem erst­mals 1707 erschiene­nen Buch nicht nur die Tech­nik des Tra­vers­flöten­spiels, son­dern geht auch auf Artiku­la­tion, Triller und Verzierungskun­st, die für das franzö­sis­che Reper­toire dieser Zeit so wichtige Ine­gal­ité und zahlre­iche inter­pre­ta­torische Aspek­te ein, ohne deren Ken­nt­nis man etwa die Musik eines Lul­ly oder Rameau nur sehr inadäquat wiedergeben kann. Ein kleiner­er Teil der Schrift übri­gens beschäftigt sich auch mit den Grundzü­gen des Block­flöten- und Barock­oboen­spiels.
Dieses Werk lag bere­its in ein­er Fak­sim­i­leaus­gabe mit Über­set­zung des Bären­re­it­er-Ver­lags vor, jedoch war lange keine kom­men­tierte Edi­tion dieser Schrift in deutsch­er Sprache zu haben. Diesem Desider­at ver­schaffte der selb­st unter anderem im Freiburg­er Barock­o­rch­ester oder bei La Sta­gione Frank­furt aktive Tra­vers­flötist Karl Kaiser mit dieser Aus­gabe nun Abhil­fe.
Hot­teter­res franzö­sis­chen Orig­inal­text freilich find­et man in diesem Heft nicht, dafür jedoch eine von Kaiser neu ange­fer­tigte, sehr wort­ge­treue Über­set­zung. Wun­dert man sich auf den ersten Blick über das Quer­for­mat des Hefts, in dem auf jed­er Seite zwei Spal­ten ste­hen, so wird bei der Lek­türe schnell klar, dass dieses dur­chaus Sinn macht: Auf vie­len Seit­en sind so viele und aus­führliche Fußnoten Kaisers ange­bracht, dass die jew­eils rechte Spalte gän­zlich von diesen aus­ge­füllt wird – und man ist dem Au-
tor sehr dankbar, dass man nicht erst jew­eils zum Ende des Buchs blät­tern muss, um dort die Fußnoten einzuse­hen. In diesen übri­gens erläutert er nicht nur den Orig­inal­text, son­dern ver­sorgt den Leser auch mit Hin­ter­grund­wis­sen zu Instru­menten und Spiel­tech­niken der Zeit sowie Tipps zur Prax­isum­set­zung.
Neben Über­set­zung und Kom­men­tar bietet diese Neuer­schei­n­ung noch die Vor­worte der Aus­gaben 1708 und 1715 von Hot­teter­res Pre­mier Livre de pièces in Deutsch, in denen die wichtig­sten Verzierun­gen in Wort und Noten­text vorgestellt wer­den. Der let­zte Abschnitt umfasst die (mod­ern geset­zten) Griffta­bellen Hot­teter­res für Triller, Flat­te­ments oder Bat­te­ments, auch für Block­flöte und – die Triller – für Oboe. Auch für diese Griffta­bellen übri­gens ist das noten­stän­derg­erechte Quer­for­mat dur­chaus von Vorteil; dazu lässt sich das rel­a­tiv flex­i­ble Heft auch gut knick­en, sodass es nicht ständig zuschlägt.
Ins­ge­samt also han­delt es sich hier um eine wirk­lich erfreuliche Neuaus­gabe, die zur Grun­dausstat­tung jedes Musik­ers gehören sollte, der sich mit franzö­sis­ch­er Barock­musik befasst.
Andrea Braun