Kurz, Hanns / Beate Kehrl / Christoph Nix

Praxishandbuch Theater- und Kulturveranstaltungsrecht

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: C. H. Beck, München, 2. neu bearbeitete und erweiterte Auflage 2015
erschienen in: das Orchester 12/2015 , Seite 72

Kul­turbe­triebe sind kom­plexe Gebilde; beson­ders gilt das für The­ater und Orch­ester. Die Kom­plex­ität von ineinan­der­greifend­en Pro­duk­tions- und Ablauf­struk­turen ist für Außen­ste­hende kaum durch­schaubar. Das hängt unter anderem mit der Vielgestaltigkeit unter­schiedlich­ster Pro­duk­tion­sprozesse zusam­men, die in der darstel­len­den Kun­st immer noch von Men­schen aus­geübt wer­den müssen und in der Regel kein­er echt­en Ratio­nal­isierung unter­liegen. Sowohl die Kun­st­pro­duk­tion auf, über, hin­ter und unter der Bühne als auch die Her­stel­lung von Kulis­sen, Kostü­men etc. sind im wahrsten Sinne des Wortes noch „Handw­erk“.
Das Prax­is­hand­buch zum The­ater- und Kul­turver­anstal­tungsrecht ver­sucht nun schon in zweit­er und um 220 Seit­en erweit­ert­er Auflage, diese Kom­plex­ität aufzubrechen und aus rechtlich­er Sicht trans­par­ent und greif­bar zu machen. Die Neuau­flage war unter anderem erforder­lich gewor­den, um die durch­greifend­en Verän­derun­gen des Tar­ifver­trags für Musik­er in Kul­tur­orch­estern vom 31. Okto­ber 2009, aber auch andere Aktu­al­isierun­gen und sin­nvolle Ergänzun­gen aufzunehmen.
Die ersten bei­den Teile enthal­ten eine kom­prim­ierte Über­sicht der Geschichte des The­ater­rechts sowie Erläuterun­gen zu The­ater­be­trieb­s­for­men, Wirtschafts­führung und zur Ein­bindung von Kul­turbe­trieben in das öffentliche Recht. Den größten Raum des Buchs nimmt der dritte Teil ein, in dem es um das Recht der The­ater- und bei Konz­ertver­anstal­tun­gen Beschäftigten geht. In gut struk­turi­ert­er und sehr über­sichtlich­er Form wer­den die Werk-, Dienst- und Arbeitsverträge mit Büh­nenkün­stlern, die jew­eils ein­schlägi­gen Tar­ifverträge (NV Bühne, TVK etc.), aber auch die beson­deren Arbeitsver­hält­nisse (z.B. Gast- und Sta­tis­ten­verträge) und das ein­schlägige Urhe­ber- und Leis­tungss­chutzrecht erläutert. Der vierte Teil ist mit „The­ater, Konz­ert und Besuch­er“ über­schrieben und behan­delt die Rechts­beziehun­gen zwis­chen Pub­likum und Ver­anstal­ter.
Im Anhang liefert Mau­rice Laus­berg als Gas­tau­tor einen Beitrag zum Kul­tur­spon­sor­ing am Beispiel der Bay­erischen Staat­sop­er, der – anders als der Rest des Buchs – mit far­bigen Bildern und Grafiken illus­tri­ert ist. Man mag darüber stre­it­en, ob schließlich der kom­plette Abdruck von Tar­ifver­trag­s­tex­ten des NV Bühne und des TVK auf über 130 Seit­en in einem Prax­is­hand­buch sin­nvoll ist. Denn Tar­ifverträge unter­liegen regelmäßi­gen Ver­hand­lun­gen und Änderun­gen, sodass der Abdruck immer nur eine Momen­tauf­nahme darstellen kann.
Das Prax­is­hand­buch bietet wie ein „Erster-Hil­fe-Kas­ten“ eine gute Möglichkeit, für fast alle in der täglichen Ver­wal­tung­sprax­is von The­ater- und Orch­ester­be­trieben auftre­tenden Rechts­fra­gen eine erste Ein­schätzung zu find­en, auch wenn man juris­tisch nicht geschult ist. Insofern wird es Studieren­den des Kul­tur­man­age­ments eben­so wie The­ater- und Orch­ester­man­agern, Ver­wal­tungsleit­ern und Per­son­alver­ant­wortlichen, Betriebs- und Per­son­al­räten, Orch­ester-, Chor- und Büh­nen­vorstän­den eine wertvolle Hil­fe im betrieblichen All­t­ag sein.
Ger­ald Mertens