Lampe, Björn / Kathleen Ziemann / Angela Ullrich (Hg.)

Praxishandbuch Online-Fundraising

Wie man im Internet und mit Social Media erfolgreich Spenden sammelt

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Transcript, Bielefeld 2015
erschienen in: das Orchester 04/2016 , Seite 67

Gutes Fundrais­ing beste­ht zu großen Teilen aus Beziehungsar­beit. Die Auswirkun­gen der Dig­i­tal­isierung auf das The­ma Spenden­sam­meln sind daher längst eben­so deut­lich spür­bar wie in unser­er all­ge­meinen Kom­mu­nika­tion. Crowd­fund­ing-Kam­pag­nen, Mail­ings und Online-Spenden lösen peu à peu den Straßen­stand und den klas­sis­chen Spenden­brief mit Über­weisungsträger ab. Das kann Mit­tel sparen, die Trans­parenz erhöhen und neue Ziel­grup­pen erschließen. Es birgt aber auch Risiken: Die Aufmerk­samkeit der Spender wird noch schneller auf neue The­men gelenkt. Wie also funk­tion­iert erfol­gre­ich­es Fundrais­ing im Netz?
Das Prax­is­hand­buch Online-Fundrais­ing ist die erste Pub­lika­tion, die sich diesem The­ma gezielt und umfassend wid­met. Die Her­aus­ge­ber Björn Lampe, Kath­leen Ziemen und Angela Ull­rich stam­men aus dem Non-Prof­it-Bere­ich und haben es sich zur Auf­gabe gemacht, das Wis­sen viel­er weit­er­er Spenden­samm­ler zu bün­deln. In kurzen Beiträ­gen mit prak­tis­chen Hin­weisen, Erfahrungs­bericht­en und Inter­views wer­den von 25 Autoren Grund­la­gen wie Experten­wis­sen des Online-Fundrais­ings anschaulich dargestellt.
Dabei fol­gt das Buch der Struk­tur der Spender­pyra­mide: Vom Erstkon­takt zeigt sie den ide­al­typ­is­chen Weg eines Spenders über das erste Engage­ment zur per­sön­lichen Bindung. Neben dem Basiswis­sen zum The­ma Fundrais­ing, Kom­mu­nika­tion und Social Media wird auf diesem Wege geziel­ter auf Kam­pag­nen und Spende­naufrufe sowie auf den Auf­bau dauer­hafter Beziehun­gen und The­men wie Con­trol­ling und Eval­u­a­tion einge­gan­gen. Hil­fre­ich sind auch diverse tech­nis­che und prak­tis­che Tipps, ob Newslet­ter- und Fundrais­ing-Tools im Ver­gle­ich, Hin­weise zum Auf­bau des eige­nen YouTube-Kanals oder Tipps zum dig­i­tal­en Spenden­for­mu­lar. Vor allem aber zehrt das Buch von der Bere­itschaft einzel­ner Fundrais­er, ihre erfol­gre­ich­sten Aktio­nen zu beschreiben. So stellt Moritz Meier die Förder­struk­tur von Viva con Agua vor, Leonie Gehrke von Bet­ter­place beschreibt kreative Wege der Danksa­gung und Paul von Ribeck vom Peng!-Kollektiv berichtet vom richti­gen Umgang mit Kri­tik.
Der Teilgedanke wird auch darin deut­lich, dass das Buch als Online-Ver­sion zum kosten­losen Down­load bere­it­ste­ht (www.fundraising-handbuch.org). Ob für Ein­steiger zur Lek­türe oder für erfahrene Fundrais­er als Inspi­ra­tion und Back-up kann das Hand­buch uneingeschränkt emp­fohlen wer­den. Zwar stam­men die meis­ten Beispiele aus den Bere­ichen Soziales und Umwelt, viele generelle Strate­gien und Plat­tfor­men kön­nen jedoch auch auf den Kul­turbere­ich über­tra­gen und angewen­det wer­den.
Denn auch wenn das The­ma Online-Fundrais­ing in der Kul­tur bis­lang noch eine Neben­rolle spielt und vere­inzelte Crowd­fund­ing-Kam­pag­nen die Aus­nahme bilden: Online-Spender wer­den laut Trend­stu­di­en mit­tel­fristig zur Mehrheit. Für diese Entwick­lung soll­ten sich auch Kul­turin­sti­tu­tio­nen und Orch­ester schnell­st­möglich rüsten, die Poten­ziale des Fundrais­ings im Netz auss­chöpfen und auf die mit der dig­i­tal­en Kom­mu­nika­tion ein­herge­hen­den Risiken gefasst sein. Eine gute Reise­be­gleitung ste­ht mit dem Hand­buch bere­it.
Elisa Erke­lenz