Mussorgsky, Modest / Bill Holman

Pictures At An Exhibition / Echoes Of Aranjuez

arr. by Clare & Brent Fischer / based on Joaquin Rodrigo's Concierto de Aranjuez

Rubrik: CDs
Verlag/Label: hrmj 029-05
erschienen in: das Orchester 10/2006 , Seite 95

Bear­beitun­gen der Bilder ein­er Ausstel­lung von Mod­est Mus­sorgsky und des Concier­to de Aran­juez von Joaquin Rodri­go gibt es reich­lich. So ist es ein etwas gewagtes Unternehmen, diese häu­fig gespiel­ten Stücke ein­er weit­eren Bear­beitung zu unterziehen. Clare Fis­ch­er, Brent Fis­ch­er und Bill Hol­man haben sich für ein Big­band-Arrange­ment entsch­ieden – meines Wis­sens die erste Bear­beitung dieser Werke für diese Beset­zung.
Her­aus­gekom­men sind her­vor­ra­gende Arrange­ments im tra­di­tionellen Big­band-Stil, angere­ichert mit vie­len den Orig­i­nalkom­po­si­tio­nen angemesse­nen Klang­far­ben. Glück­licher­weise haben sich die Bear­beit­er bei den Bildern ein­er Ausstel­lung die Orig­i­nalkom­po­si­tion für Klavier als Vor­lage genom­men, lediglich bei „Goldberg/Schmuyle“ scheint ein biss­chen Rav­el durch. Dadurch ist eine neue, an keine andere Bear­beitung erin­nernde Kom­po­si­tion ent­standen. Aus­geze­ich­net gelun­gen sind die fünf Prom­e­naden, deren jede ihren eige­nen Charak­ter hat. Der Gnom kommt mys­tisch mit tiefen Klän­gen daher und wird von einem Posaunen­cho­rus inter­pretiert. Der Impro­vi­sa­tion wird ein bre­it­er Raum gegeben: Es han­delt sich hier auch deut­lich um eine Jazz-Inter­pre­ta­tion der bei­den Stücke. Swing und Impro­vi­sa­tion ste­hen im Vorder­grund, wobei bei­des sehr aus­ge­wogen ist. Mit einem grandiosen „Kiev Gate“ enden die Bilder ein­er Ausstel­lung.
Der Titel des zweit­en Arrange­ments, Echoes Of Aran­juez, macht deut­lich, dass ein freier­er Umgang mit dem Orig­i­nal angestrebt wurde. Für Bill Hol­man ste­ht auch hier ein jazz­iger swin­gen­der Big­band-Sound im Vorder­grund. Er verzichtete bewusst auf die Gitarre. Im Part II wird das bekan­nte The­ma, impres­sion­is­tisch begleit­et von Holzbläsern, von der Flöte vorgestellt. Die Atmo­sphäre des Orig­i­nals ist aber dur­chaus noch zu spüren. Trotz des Ein­satzes eines Flügel­horns kommt keine Erin­nerung an Evens und Davis auf. Es han­delt sich hier um ein eigen­ständi­ges Werk. Die oft­mals viel­stim­mige und kon­tra­punk­tisch angelegte Stimm­führung macht dieses Werk zu ein­er anspruchsvollen Kom­po­si­tion.
Der hr-Big­band unter der Leitung von Jörg Achim Keller und Bill Hol­man gilt ein ganz beson­deres Lob. Sie zeigen, dass Big­band-Musik auch ohne avant­gardis­tis­che Klänge mod­ern und inter­es­sant sein kann. Der sym­phonisch anmu­tende Teil IV zeigt noch ein­mal die Flex­i­bil­ität des Klangkör­pers. Über­haupt wurde die klan­gliche Her­aus­forderung an die Big­band mit Bravour gelöst. Die Band hat, nicht zulet­zt durch die Solis­ten, Welt­stan­dard.
Michael Schmidt