McKimm, Barry / Daniel Dorff / Robert Delanoff / Antonio Vivaldi

PicCollage

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Talanton Records TAL 90002
erschienen in: das Orchester 10/2011 , Seite 68

„Ein oblig­a­torisch­er Vival­di muss ja dabei sein“ – so oder so ähn­lich schießt es einem durch den Kopf, liest man die Kom­pon­is­ten­na­men, deren Werke die vor­liegende CD prä­gen: Die anderen Namen sind hier nicht annäh­ernd so bekan­nt… Wie schade! Aber vielle­icht kann Gudrun Hinze gemein­sam mit ihren Mit­stre­it­ern diesen Miss­stand ändern.
Sich über die spiel­tech­nis­chen Fähigkeit­en der Aus­nah­me­flötistin zu ver­bre­it­en, hieße Eulen nach Athen zu tra­gen. Auch das Ensem­ble lässt auf dieser Ein­spielung keine musikalis­chen Wün­sche offen. Entsprechend wohlig kann man sich der Ent­deck­er­freude hingeben, die diese Auf­nahme ver­heißt: Besagtes Vival­di-Con­cer­to RV 445 in a‑Moll für Pic­co­lo und Orch­ester ist eher sel­ten zu hören und stellt in sein­er phasen­weise etwas her­beren Schön­heit ein spezielles Vergnü­gen dar, das vom vielle­icht manch­mal zu aus­tauschbar dahin­weben­den Vir­tu­osen­prinzip der bekan­nteren Konz­erte wohltuend abwe­icht. Als Abschluss auf der CD mag es auch vielle­icht den einen oder anderen ver­söhn­lich stim­men, der mit der Klang­sprache von McKimm, Dorff oder Delanoff nicht so ganz zurechtkom­men mag. Das wird allerd­ings nur wenige Hör­er betr­e­f­fen, denn alle drei Kom­pon­is­ten lassen sich angenehm erschließen und eröff­nen eine Vielfalt an Klang­wel­ten, deren Schnittmenge zumin­d­est in der tonalen Gebun­den­heit und musizier­freudig-melodiösen Anlage ihrer Kom­po­si­tio­nen groß ist.
Mit dem Con­cer­to for Pic­co­lo and Orches­tra des 1941 in Aus­tralien gebore­nen Bar­ry McKimm legt Gudrun Hinze gemein­sam mit ihren Musizier­part­nern ein fröh­lich-unkom­pliziertes Entrée vor, das den Hör­er mit aparter Vir­tu­osität zu ein­er beschwingt anmu­ten­den musikalis­chen Reise ein­lädt, die in die Gefilde ver­schieden­er Idiome wie z.B. Irish Folk oder auch Film­musik führt. Die Musik ist reizvoll, wen­ngle­ich sie phasen­weise ein wenig ziel­los dahinzu­plätsch­ern scheint. In ihrer har­monis­chen Far­bigkeit bleibt sie stets heit­er und unter­halt­sam.
Daniel Dorffs Sonatine de Giverny knüpft an impres­sion­is­tis­che Klänge an, ohne epigo­nen­haft zu wirken. Im ersten Satz wäre auch eine andere Instru­men­ta­tion als Piccolo/Klavier denkbar, da hier die sehr trock­ene Klan­gat­mo­sphäre ein wenig befremdlich wirkt. Dies kann aber auch an der Auf­nah­me­qual­ität der son­st bril­lanten und sorgfältig aus­tari­erten Ein­spielung liegen. Die sub­tile Farb­palette von Dorffs Klang­sprache ent­fal­tet sich zumin­d­est überzeu­gend ab dem zweit­en Satz und nimmt in ihrer klaren Zartheit gefan­gen. Voller Tem­pera­ment und Geis­tes­blitz ent­pup­pt sich in Hinzes Inter­pre­ta­tion Dorffs Flash! als fan­tasievolles Bravourstück.
In Robert Delanoffs Trio Noble Tafel­musik find­en auch dun­kle Seit­en Ein­gang. Ger­ade das Inter­mez­zo malt schillernd-far­big. Das Finale erin­nert in sein­er bewegten Motorik an Dave Brubecks Blue Ron­do à la Turk. Der hier­auf fol­gende Vival­di wirkt als Kon­trast­spiegel hin­sichtlich der CD-Zusam­men­stel­lung etwas son­der­bar im Kon­text. Allerd­ings erhellen die von Gudrun Hinze im Book­let gestal­teten Werkbeschrei­bun­gen diese Auswahl und machen sie nachvol­lziehbar.
Eine span­nende CD, die ihre Lieb­haber nicht nur unter den Flötis­ten find­en sollte!
Christi­na Humenberger