Mozart, Wolfgang Amadeus

Piano Concertos Nos. 9 & 21

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Sony Classical 82876 81055 2
erschienen in: das Orchester 02/2007 , Seite 91

Die Fülle der Ein­spielun­gen von Mozarts Klavierkonz­erten im Jubiläum­s­jahr des Kom­pon­is­ten ist kaum mehr zu überblick­en, seien es ger­ade vol­len­dete Gesamtein­spielun­gen wie die von Matthias Kirch­nere­it und den Bam­berg­er Sym­phonikern unter der Leitung von Frank Beer­mann (arte nova) oder wichtige Wiederveröf­fentlichun­gen wie die Ein­spielun­gen von Mit­suko Uchi­da und Jef­frey Tate, die nun erst­mals in ihrer Gesamtheit vorgelegt wur­den (Philips).
Yu Kosuge, 1983 in Tokyo geboren, ist bis­lang vor allem mit roman­tis­chem Reper­toire her­vor­ge­treten. Mit den Prälu­di­en Chopins (Sony) und Liszts Tran­szen­den­tal­en Etü­den (Sony) unter­strich sie ihre manuelle Klasse und die pro­funde Musikalität. Mit dem NDR Sin­fonieorch­ester hat sie nun ihre erste Mozart-CD vor­legt. Kosuge präsen­tiert sich mit zwei anspruchsvollen, unter­schiedliche Leben­sphasen Mozarts repräsen­tieren­den Werken: dem Jeune­homme-Konz­ert KV 271 und dem in C‑Dur KV 467.
KV 271 ent­stand in Salzburg in ein­er für Mozart eher bedrück­enden Zeit. Die großen Wun­derkind-Reisen waren vorüber, der 21-jährige Kom­pon­ist fühlte sich räum­lich und kün­st­lerisch beengt, die Begeg­nung mit der Paris­er Pianistin Louise-Vic­toire Jenamy inspiri­erte Mozart zu einem frühen Meis­ter­w­erk. Yu Kosuge rückt trotz aller manueller Über­legen­heit nicht die dur­chaus vorhan­de­nen vir­tu­osen Ele­mente in den Vorder­grund. Unter­stützt von Lawrence Fos­ter und dem klang­mächtig musizieren­den NDR Sin­fonieorch­ester wählt sie ins­ge­samt eher zurückgenommene Tem­pi. Die klan­gliche Aus­for­mung und Durch­dringung des Konz­erts, beson­ders in den Mozart’schen Kaden­zen, die weniger der Selb­st­darstel­lung des Inter­pre­ten dem der motivisch-the­ma­tis­chen Arbeit geschuldet sind, unter­stre­icht sie dank ihrer Phrasierungskun­st und ihres Dif­feren­zierungsver­mö­gen.
Im Gegen­satz zum Jeune­homme-Konz­ert ent­stand KV 467 in der Wiener Zeit Mozarts für den eige­nen Gebrauch, daher gibt es auch keine Kaden­zen von Mozarts Hand. Das Schwest­er­w­erk zum dämonisch ange­haucht­en d‑Moll-Konz­ert wurde für eine der Akademien des Jahres 1785 in ein­er für den Kom­pon­is­ten dank des öffentlichen Inter­ess­es recht erfol­gre­ichen Zeit kom­poniert. Die japanis­che Pianistin zele­bri­ert hier lustvoll-vir­tu­os das the­atralis­che Moment des Konz­erts, wobei ihr Fos­ter und das mit großem Ton, bei den Holzbläsern zugle­ich aber mit Liebe zum Detail musizierende NDR Sin­fonieorch­ester überzeu­gende Part­ner sind.
Im Ver­gle­ich mit der jüngst erschiene­nen Inter­pre­ta­tion von KV 467 durch Mauri­cio Polli­ni (Deutsche Gram­mophon), der die Wiener Phil­har­moniker vom Flügel aus leit­et, wählt Kosuge etwas vorantreiben­dere Tem­pi, spielt eine Spur schlanker als Polli­ni, der die Kaden­zen des zeit­genös­sis­chen Kom­pon­is­ten Sal­va­tore Scia­r­ri­no, der durch seine Opern bekan­nt wurde, gewählt hat, während die Japaner­in sich für dur­chaus überzeu­gende eigene Kaden­zen entsch­ieden hat. Yu Kosug­es Ein­spielung zweier pop­ulär­er Mozartkonz­erte kann sich trotz beachtlich­er Konkur­renz auf überzeu­gen­dem Niveau behaupten.
Wal­ter Schneckenburger