Penderecki, Krzysztof

Piano Concerto “Resurrection”

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Hänssler Classic CD 98.018
erschienen in: das Orchester 01/2014 , Seite 80

Das pol­nis­che Radios­in­fonieorch­ester hat im Jan­u­ar dieses Jahres gemein­sam mit dem Pianis­ten Flo­ri­an Uhlig in der Witold Lutoslaws­ki Con­cert Hall in Warschau das umfan­gre­iche, im Jahr 2007 rev­i­dierte Klavierkonz­ert Res­ur­rec­tion von Krzysztof Pen­derec­ki einge­spielt. Die erste Fas­sung ent­stand im Jahr 2001 und war ursprünglich als Capric­cio geplant. Die Ereignisse der Anschläge des 11. Sep­tem­ber 2001 in New York bee­in­flussten die Kom­po­si­tion nach­haltig. Den dama­li­gen Opfern ist das Werk gewid­met.
Das Klavierkonz­ert ist in fünf ineinan­der überge­hende Sätze unterteilt. Die Orchestrierung ist fan­tasievoll und far­big. Den ersten Satz durchzieht eine drän­gend-düstere Atmo­sphäre, entwick­elt aus einem immer wiederkehren­den fal­l­en­den Sekund­mo­tiv und ein­er chro­ma­tisch abwärts­ge­hen­den Vier­ton­gruppe, die zuerst vom Klavier vorgestellt wird. In laten­ter Chro­matik steigert sich der Satz in marschähn­lichen Ein­wür­fen, die an Bartók oder Prokof­jew erin­nern, bis zum drama­tis­chen Höhep­unkt, nahezu wie ein verzweifel­ter men­schlich­er Schrei. Kon­trastierend dazu gibt es immer wieder Kan­tile­nen der Vio­lon­cel­li oder des Englis­chhorns. Zu Beginn des zweit­en Satzes wirkt das sta­tis­che c‑Moll, kolo­ri­ert von Des-Dur-Vorschlä­gen, wie ein Trauer­marsch und führt zu einem roman­tisch-expres­siv­en Aus­bruch von Rachmaninow’scher Klan­gop­u­lenz. Diese begeg­net uns noch ein­mal als großer Des-Dur-Hym­nus mit wuchti­gen Klavierok­taven und zusät­zlich einge­spiel­tem Glock­en­geläut zu Beginn des vierten Satzes. Beim drit­ten Satz erre­icht die Orchestrierungskun­st von Pen­derec­ki ihren Höhep­unkt. Blitzar­tige Farb­wech­sel, wie wir sie auch von Mes­si­aen ken­nen, führen zu einem schillern­den, immer wieder Über­raschun­gen bietenden Klang­bild.
Pen­derec­ki offen­bart in allen fünf Sätzen eine nahezu vol­len­dete kom­pos­i­torische Hand­schrift. Alles ist kon­se­quent motivisch-the­ma­tisch gear­beit­et und ineinan­der ver­woben. Die Chro­matik und der Choral­hym­nus klin­gen beispiel­sweise immer wieder an und durchziehen das ganze Werk. Der Kom­pon­ist, mit­tler­weile im 81. Leben­s­jahr, war vor Jahrzehn­ten Vor­re­it­er der dama­li­gen Avant­garde. Er bleibt sich selb­st treu in sein­er seit Jahren gel­tenden Rückbesin­nung auf tra­di­tionelle kom­pos­i­torische Werte und deren Hand­habung in solch vor­bildlich­er Form. Dem Klavierkonz­ert bleibt zu wün­schen, dass es den Weg ins Reper­toire viel­er Konz­ertver­anstal­ter find­et und dass diese CD Pianis­ten aufmerk­sam macht auf ein neues Werk, welch­es ihr eigenes Reper­toire äußerst gewinnbrin­gend bere­ich­ern kann.
Das glänzend aufgelegte pol­nis­che Radios­in­fonieorch­ester spielt präsent und aufmerk­sam unter der Leitung des Diri­gen­ten Lukasz Borow­icz. Die Auf­nah­me­tech­nik ist sehr gut und aus­ge­wogen, was die einzel­nen Orch­ester­grup­pen anbe­langt und eben­falls die Klang­bal­ance zum Solis­ten. Flo­ri­an Uhlig ist ein kon­ge­nialer Inter­pret. Sein Klavier­spiel ist rhyth­misch klar und trans­par­ent und in den lyrischen Pas­sagen äußerst klangschön. Er gestal­tet alles mit einem gut aus­geprägten pianis­tis­chen Klangsinn.
Christoph J. Keller