Johannes Brahms

Piano Concerto No. 2 op. 83/Three Intermezzi op. 117

Francesco Piemontesi (Klavier), Gewandhausorchester Leipzig,

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Pentatone
erschienen in: das Orchester 4/2026 , Seite 76

2025 war ein gutes Jahr, was interessante Einspielungen des 2. Klavierkonzerts von Johannes Brahms angeht: Michael Korstick (Hänssler) mit seiner eher breit angelegten, an historischen Aufführungen und Dokumenten orientierten Sicht, der gewohnt etwas steiffingerige Igor Levit (Sony), aber auch Herbert Schuch (naïve) haben bei allen Unterschieden beachtenswerte Einspielungen veröffentlicht, jeweils gekoppelt mit dem
1. Klavierkonzert. Nun stößt zu dieser Pianistenriege Francesco Piemontesi mit dem B-Dur-Konzert hinzu. Das 1. Konzert mit Piemontesi, ebenfalls mit Manfred Honeck und dem Gewandhausorchester Leipzig, sollte noch folgen.
Der 1983 in Locarno geborene Schweizer Pianist kann inzwischen auf eine beachtliche Karriere zurückblicken, die ihn in die bedeutendsten Konzertsäle der Welt führte, ebenso wie er bei bedeutenden Orchestern ein gern gesehener Gast ist. Seine Diskografie verzeichnet ebenso hochgelobte Mozart-Einspielungen wie Debussy, aber auch Liszts Transzendentale Etüden und die ersten beiden Bände seiner Années de pèlerinage, Schuberts letzte Sonaten ebenso wie das Klavierkonzert von Schönberg. Beeindruckend ist bei Piemontesi die Verbindung von hoher Musikalität, gestalterischer Intelligenz und souveräner Klaviertechnik. Dass Dirigent Manfred Honeck, wie dieser im Booklet der CD anmerkt, intensiv mit Piemontesi mit unterschiedlichen Orchestern in Europa und den USA zusammengearbeitet hat, unterstreicht der aufnahmetechnisch hervorragende Livemitschnitt aus zwei Konzerten im April 2025 im Leipziger Gewandhaus.
Der Solist und das von Honeck souverän geleitete Gewandhausorchester bilden bei dem B-Dur-Konzert eine intensiv miteinander kommunizierende Einheit. Obwohl das B-Dur-Konzert von den manuellen Anforderungen her eines der schwierigsten des 19. Jahrhunderts ist, taugt es wenig zu virtuoser Selbstdarstellung. Der sinfonischen Struktur des viersätzigen Konzerts mit seinem wunderbaren Beginn mit dem Ruf des Solohorns – das Gewandhausorchester zeigt sich von Beginn an in hervorragender Verfassung – wird Piemontesi bei aller geforderten Virtuosität mit schlankem, stets durchhörbarem Spiel gerecht, immer in engem Kontakt mit Honeck und dem Gewandhausorchester. Neben den angesprochenen manuellen Herausforderungen bleibt der Pianist auch immer Teil des orchestralen Geschehens. Piemontesi realisiert dies mit einem dynamisch ungemein weiten Spektrum, mit großer Anschlagsdifferenzierung.
Sein Verständnis für Brahms unterstreicht der Schweizer auch bei den Drei Intermezzi op. 117, deren Klangfarbenreichtum mit viel Expressivität ausgestaltet wird.
Thomas Weiss

 

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