Reger, Max / Richard Strauss

Piano Concerto in F minor op. 114 / Burleske

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Hyperion
erschienen in: das Orchester 12/2011 , Seite 79

Obwohl sich so bedeu­tende Solis­ten wie Rudolf Serkin für das Klavierkonz­ert Max Regers einge­set­zt haben, spielt es im Konzertleben kaum eine Rolle. Den­noch sind nun zwei bemerkenswerte Ein­spielun­gen des dreisätzi­gen, 1910 uraufge­führten Konz­erts erschienen: Der Über-Vir­tu­ose Marc-André Hamelin set­zt sich mit Ilan Volkov und dem bestens vor­bere­it­eten Rund­funk-Sin­fonieorch­ester Berlin für das gewichtige Werk ein, während Michael Kor­stick sich des f‑Moll-Konz­erts mit dem Münch­n­er Rund­funko­rch­ester unter Leitung von Ulf Schirmer (cpo 777373–2) annimmt. Seine Reger-Kom­pe­tenz hat Hamelin schon mit ein­er beacht­enswerten Auf­nahme der Bach- und der Tele­mann-Vari­a­tio­nen (Hype­r­i­on CDA 66996) unter Beweis gestellt.
Einen musikalis­chen Kon­tra­punkt zum Reger-Konz­ert set­zen Hamelin und Volkov mit ein­er von Klavier und bril­lant musizieren­dem Orch­ester vir­tu­os vor­angetriebe­nen Burleske von Richard Strauss. Der kanadis­che Pianist kann mit augen­zwinkern­der Ironie die the­atralisch anmu­ten­den Gesten des manuell fordern­den Parts fed­ernd umset­zen. Nur wenige Pianis­ten ver­fü­gen über die Möglichkeit, die Dop­pel­bödigkeit des Stücks so spielerisch zu for­mulieren wie er.
Auch das musikalisch unge­mein dichte Reger-Konz­ert stellt für den Pianis­ten manuell keine Her­aus­forderung dar. Hamelin ver­sucht, den Klavier­satz aufzulicht­en, ihm etwas von sein­er Schwere zu nehmen, was sich auch in der zuge­spitzten Tem­powahl nieder­schlägt. Unter­stützung find­et er dabei bei Volkov und dem Rund­funk-Sin­fonieorch­ester Berlin, das nicht nur an den ersten Holzbläser­pul­ten bestens beset­zt ist. So detail­re­ich kann man das Werk auch auf CD nur sel­ten hören. Ein weit­er­er Plus­punkt ist die sehr trans­par­ente Auf­nah­me­tech­nik.
Tief­gründi­ger und klan­glich las­ten­der geht der deutsche Pianist Michael Kor­stick das Werk an. Er geht er etwas mehr auf den schon von Reger ange­sproch­enen Bezug zum ersten Klavierkonz­ert von Brahms ein. Dun­kler in der Tonge­bung, gewichtiger, aber teil­weise auch inten­siv­er gestal­tend legt er ein überzeu­gen­des Plä­doy­er für das Werk ab. Auf beachtlich hohem Niveau bewe­gen sich auch bei­de Book­let-Texte, wobei der der Kor­stick-Pro­duk­tion noch tiefer ana­lytisch ein­taucht.
Wal­ter Sch­neck­en­burg­er