Töpel, Michael

Petits Fours

Vier Stücke für Violoncello und Klavier, Partitur mit Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Merseburger, Kassel 2010
erschienen in: das Orchester 04/2011 , Seite 68

Eben­so schmack­haft wie kalo­rien­re­ich sind jene kleinen kon­di­torischen Wun­der­w­erke, die der vor­liegen­den Kom­po­si­tion Michael Töpels ihren Namen lei­hen. Man kön­nte boshafter­weise ergänzen: eben­so unwider­stehlich wie über­flüs­sig. Lassen sich all diese Charak­ter­is­ti­ka auch auf das Töpel’sche Kleinge­bäck anwen­den?
Fra­g­los han­delt es sich um char­mante Petitessen, um gelun­gene Beiträge zum Genre Spiel­musik, wobei hin­sichtlich der tech­nis­chen Anforderun­gen dem klavier­spie­len­den Duopart­ner in punk­to Griff­sicher­heit durch­weg mehr abver­langt wird als dem cel­lospie­len­den: Abge­se­hen von eini­gen frei­händig zu erre­ichen­den hohen Fla­geo­lett-Tönen und weni­gen weit­eren Aus­nah­men verbleibt der Cel­lopart im „Nor­mal­bere­ich“ zwis­chen C und a’. Nur wenige Dop­pel­griffe gibt es zu ver­melden, kein­er­lei großen Sprünge, wohinge­gen der Klavier­part von dur­chaus pro­fes­sionellem Zuschnitt geprägt ist und einige nicht unheik­le Pas­sagen aufweist.
Das gle­ich­sam abstrak­teste der vier Kleinge­bäcke ist der an drit­ter Stelle ste­hende, raf­finiert ersonnene „Wech­selge­sang“, während im Schlussstück „Die Jon­gleure“ ins­beson­dere durch ständig wech­sel­nde Schw­er­punk­te inner­halb des gle­ich­bleiben­den 9/8-Tak­ts die Zusam­men­spiel-Qual­itäten der Inter­pre­ten auf den Prüf­s­tand gehoben wer­den. Sehr ele­gant präsen­tiert sich das „Som­mer­stück“ (Nr. 2) – 5/4-Takt und zahlre­iche Synkopen tun ein Übriges, um die zusät­zliche Vor­trags­beze­ich­nung „Leicht und far­big, san­ft schwin­gend“ Wirk­lichkeit wer­den zu lassen –, während im ein­lei­t­en­den „Abend­lied für eine kleine Loko­mo­tive“ das Zuck­er­w­erk noch in recht beschei­den­er Dosis darg­ere­icht wird. Das Stück begin­nt mit dem mäßig lusti­gen Effekt eines nachgeahmten Dampflok-Pfiffs (wer erin­nert sich über­haupt noch, wie so etwas in Wirk­lichkeit klang?) mit­tels Fla­geo­letts und kommt auch son­st im ungetrübten D-Dur recht zop­fig des Weges. In den anderen Stück­en bedi­ent sich der Kom­pon­ist ein­er erweit­erten – man kön­nte sagen: unge­bun­de­nen – Tonal­ität, die dur­chaus Frische und Orig­i­nal­ität ausstrahlt.
Michael Töpel ist ein viel­seit­iger Mann. Seit Langem als Lek­tor im Bären­re­it­er-Ver­lag beschäftigt, tritt er als Her­aus­ge­ber von Erstveröf­fentlichun­gen, Arrange­ments und Klavier­auszü­gen, außer­dem als Pub­lizist und Kom­pon­ist her­vor. Für die Pub­lika­tion sein­er Petits Fours wählte er mit der Edi­tion Merse­burg­er einen in Kas­sel­er Nach­barschaft des Haus­es Bären­re­it­er befind­lichen tra­di­tion­sre­ichen Ver­lag, der sich seit über 150 Jahren als Hort der Kirchen­musik eben­so wie instru­men­taler Schul- und Spiel­musik große Ver­di­en­ste erwor­ben hat.
Doch kehren wir zu unseren Aus­gangs­fra­gen zurück: Unwider­stehlich? Das wäre gelinde über­trieben. Über­flüs­sig? Das wäre nicht gerecht. Kalo­rien­re­ich? Zum größten Teil. Schmack­haft? Unbe­d­ingt!
Ger­hard Anders