Werke von Schumann, Strauss, Zimmermann und anderen

Peter Damm — Hornmusik

Peter Damm (Horn), Staatskapelle Dresden/Gewandhausorchester Leipzig/Dresdner Philharmoniker, Ltg. Franz Konwitschny/Heinz Rögner/Udo Zimmermann/Herbert Kegel

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Berlin Classics 0300930BC
erschienen in: das Orchester 07-08/2017 , Seite 67

Peter Damm begeg­nete mir auf ein­er LP vor vierzig Jahren. In ein­er ver­gle­ichen­den Disko­grafie der damals ver­füg­baren Ein­spielun­gen der Mozart-Hornkonz­erte ver­lieh ich ihm neben Denis Brain und Bar­ry Tuck­well einen Inter­pre­ta­tions-Stern für seine Auf­nahme mit Her­bert Blom­st­edt und der Säch­sis­chen Staatskapelle Dres­den.
Aus den hier vere­in­ten DDR-Pro­duk­tio­nen bei Eter­na von 1961 bis 1987 mit fast dreißig Kom­pon­is­ten­na­men aller Musike­pochen formt sich das faszinierende Bild eines her­aus­ra­gen­den Hor­nisten, der sowohl kam­mer­musikalisch als auch solis­tisch über­all zu Hause ist – mit Tele­mann, Fasch, Heinichen und Zelen­ka in Alter Musik und mit Krebs, Homil­ius und Viviani orgel­be­gleit­et in ihrem Sakral­bere­ich, mit Mozarts KV 407 und Beethovens op. 17 in der Klas­sik, mit Schu­manns Konz­ert­stück – Damms erster Eter­na-Auf­nahme von 1961 – in der deutschen und mit Françaix, Damase und Saint-Saëns in der franzö­sis­chen Roman­tik, mit bei­den Strauss-Konz­erten (am Pult Heinz Rögn­er) in der Neu­zeit und in der Mod­erne mit Bernd Alois Zim­mer­mann und mit wichti­gen DDR-Kom­pon­is­ten wie Siegfried Kurz, Siegfried Köh­ler, Johann Cilenšek, Fritz Geißler und Willi Albrecht Reuter – manch­es davon für Peter Damm und einiges in Zusam­me­nar­beit mit ihm geschrieben. In jedem Stück dieser CD-Box fasziniert mich sein Horn­ton mit einem für seine Zeit ungewöhn­lich feinen Vibra­to; dazu kam ein sehr lock­er­er Ansatz, der in den hohen Lagen mit min­i­malem Druck­aufwand gegen die Lip­pen – dem Less Press­ing – einen Horn­klang erzeugt wie aus einem engel­haften Irgend­wo, so zart, weich und selb­st im For­tis­si­mo kör­per­haft „rund“, niemals scharf!
Zwar fehlen in der Box ver­ständlicher­weise drei vom Horn-Pro­fes­sor bis heute heißgeliebte Stern­stun­den-Auf­nah­men: bei­de Strauss-Konz­erte mit Rudolf Kempe und der Staatskapelle von 1975, das Brahms-Trio op. 40 mit Josef Suk und Wern­er Genu­it von 1982 und Mozarts Hornkonz­erte mit Mar­riners Acad­e­my of St Mar­tin in the Fields von 1988.
Dafür entschädigt die Fülle des unter­schiedlich Vielfachen, weil alles aus tiefer Liebe zur Musik in allen ihren For­men vom betören­den Spiel des tech­nisch per­fek­ten Instru­men­tal­is­ten, ein­fühlsamen Lehrers, fleißi­gen Forsch­ers und immer liebenswürdi­gen und liebenswerten Men­schen und Orch­esterkol­le­gen bes­timmt wird. Dieses ver­di­en­stvolle Kom­pendi­um ist eine üppige Quelle für die mitreißende Begeg­nung mit Horn­werken aller Epochen, die ans­pornt, mehr von Peter Damm zu hören – im Kat­a­log find­en sich weit­ere Perlen seines exquis­iten Spiels.
Außer­dem kann man den beglück­end schö­nen Horn­ton ihres langjähri­gen Solo-Hor­nisten noch in vie­len Auf­nah­men der Säch­sis­chen Staatskapelle erleben – nicht nur, wenn er mit seinen Kol­le­gen in Car­los Kleibers Freis­chütz-Auf­nahme den deutschen Wald in Klang ver­wan­delt…
Diether Step­puhn