Albrechtsberger / Castérède / Ortiz / Sulek / Kassatti

Pérégrinations

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Perc Pro PP 20072010
erschienen in: das Orchester 10/2010 , Seite 78

Wie der Titel Péré­gri­na­tions ver­rät, nimmt diese Ein­spielung den Hör­er auf eine Reise mit. Von der Renais­sance bis ins 20. Jahrhun­dert und durch ver­schiedene europäis­che Län­der span­nt der junge Posaunist Fab­rice Mil­lis­ch­er zeitlich und auch geografisch einen weit­en Bogen. Als erstes Stück auf dieser CD erklingt eines der bekan­ntesten Solokonz­erte für Alt­posaune und Stre­i­chorch­ester aus der Vork­las­sik, das vir­tu­ose Konz­ert von Johann Georg Albrechts­berg­er. Dieses Werk inter­pretiert Mil­lis­ch­er auf ein­er mod­er­nen Alt­posaune, sein his­torisch fundiertes Spiel ist dabei sehr gesan­glich und nuanciert.
Mit der Sonatine für Tenor­posaune und Klavier von Jacques Castérède bringt Mil­lis­ch­er einen Kam­mer­musik-Klas­sik­er für sein Instru­ment. In der dreisätzi­gen Kom­po­si­tion mit neok­las­sizis­tis­chen Ein­schlä­gen von 1957 kommt die Band­bre­ite der Klang­far­ben des Blech­blasin­stru­ments beson­ders gut zum Vorschein. Mit drei Ricer­cari aus dem Trat­ta­do de Glosas des spanis­chen Meis­ters Diego Ortiz nutzt Mil­lis­ch­er die Gele­gen­heit, eine weit­ere Seite seines großen Tal­ents zu präsen­tieren. Der mehrfache Preisträger inter­na­tionaler Musik­wet­tbe­werbe beschäftigt sich sowohl mit zeit­genös­sis­ch­er Musik als auch mit his­torisch­er Auf­führung­sprax­is. Die Instru­men­tal­stücke aus Ortiz’ Hauptwerk bläst er auf dem Sack­but bzw. Saque­boute, dem his­torischen Vor­läufer der mod­er­nen Posaune. Mit ein­er glück­lichen Mis­chung aus Feinge­fühl und Kraft erklin­gen die Spielfig­uren und Verzierun­gen leicht­füßig auf dem Blasin­stru­ment mit der engen Men­sur.
Ein sel­ten aufge­führtes Werk ist die kon­trastre­iche Sonate für Posaune und Klavier des kroat­is­chen Kom­pon­is­ten Stjepan Šulek, drama­tis­che und lyrische Pas­sagen wech­seln hier einan­der ab. Den Dia­log zwis­chen dem voll­grif­fi­gen, far­ben­re­ichen Klavier­satz und der schö­nen, klaren Stimme der Posaune gestal­ten die Duopart­ner Fab­rice Mil­lis­ch­er und Nathanaël Gouin beson­ders ein­fühlsam.
Zwis­chen Kam­mer­musik und Solokonz­ert pen­del­nd bietet die Sonatine für Tenor­posaune und Blech­bläserquin­tett von dem Krakauer Pianis­ten und Kom­pon­is­ten Tadeusz Kas­sat­ti reizvolle Möglichkeit­en für den Solis­ten, in ver­schiedene Rollen zu schlüpfen. Mil­lis­ch­er gelingt dies glänzend, mit dem angemesse­nen Affekt fügt er sich müh­e­los in den Ensem­bleklang ein und übern­immt eben­so gelassen selb­st­be­wusst den dom­i­nan­ten Part. Das effek­tvolle, stilis­tisch abwech­slungsre­iche Stück in vier Sätzen wurde 1999 für Michel Bequet und Span­ish Brass Luur Met­alls kom­poniert. Mit Verve gelingt Radio Brass Saar, dem Blech­bläserensem­ble der Deutschen Radio Phil­har­monie Saar­brück­en Kaiser­slautern, und Mil­lis­ch­er eine inspiri­erte und sub­til aus­tari­erte Inter­pre­ta­tion. Vital und klangschön trifft Mil­lis­ch­er mit seinem tech­nisch völ­lig makel­losen Spiel den Charak­ter der so ver­schiede­nen Werke auf dieser CD.
Die einzige Kri­tik ist, dass sich im Book­let einige kleine Satzfehler eingeschlichen haben. Ein wirk­lich gelun­ge­nes CD-Debüt!
Juliane E. Bal­ly