Wagner, Richard

Parsifal

Rubrik: DVDs
Verlag/Label: Opus Arte OA 0915 D, 3 DVDs
erschienen in: das Orchester 02/2006 , Seite 88

Im Fest­spiel­haus Baden-Baden kooperiert man seit einiger Zeit recht erfol­gre­ich mit inter­na­tion­al renom­mierten Opern­häusern und bringt aufwändi­ge Pro­duk­tio­nen als Gemein­schaft­sar­beit her­aus. Ein im Som­mer 2004 beson­ders erfol­gre­ich insze­niert­er Par­si­fal, der zuvor in Lon­don, San Fran­cis­co und Chica­go zu sehen war, liegt nun auf DVD vor. Baden-Baden verpflichtete hier­für das Deutsche Sym­phonie-Orch­ester Berlin unter der Leitung von Kent Nagano, der durch wohltuend fließende Tem­pi kein falsches Pathos aufkom­men lässt und mit seinen Musik­ern wun­der­bare Klangschat­tierun­gen erzielt.
Nagano liegt damit genau auf der­sel­ben Wellen­länge wie Regis­seur Niko­laus Lehn­hoff, der das „Büh­nen­wei­h­fest­spiel“ wenig wei­hevoll insze­niert. Vielmehr geht es ihm darum aufzuzeigen, wie die streng mil­itärisch organ­isierte Gesellschaft der Gral­srit­ter in eine erstar­rende Endzeit­stim­mung ger­at­en ist, aus der sie nur der „Heils­bringer“ Par­si­fal erlösen kann. Es sind teil­weise erschüt­ternde Bilder der Gral­swelt, die im Gedächt­nis haften bleiben. Lei­der gelingt es dem Regis­seur nicht in gle­ichem Maße, die Welt von Kling­sors Zauber­garten adäquat in Szene zu set­zen, dessen Blu­men­mäd­chen wenig ver­führerisch wirken.
Inter­es­sant Lehn­hoffs Idee, am Ende des Werks – anders als bei Wag­n­er vorge­se­hen – Par­si­fal und Kundry gemein­sam in ein Licht am Ende des „Men­schheit­stun­nels“ (Lehn­hoff) gehen zu lassen; ein „per aspera ad astra“, das vielle­icht eine bessere Zukun­ft bedeutet. Die Insze­nierung ist in sich schlüs­sig und besticht durch eine intel­li­gente Per­so­n­en­führung, was bei anderen Regis­seuren des Par­si­fal in jüng­ster Zeit ja keineswegs selb­stver­ständlich war.
Allerd­ings kann sich Lehn­hoff auch auf exzel­lente Pro­tag­o­nis­ten ver­lassen, von denen zumin­d­est einige schon seit vie­len Jahren zu den weltweit führen­den Vertretern ihrer Par­tien gehören. Das gilt für Mat­ti Salmi­nen, der den Gurne­manz mit sein­er charak­ter­is­tis­chen, immer noch imposan­ten Stimme würde­voll gestal­tet, eben­so wie für Wal­traud Meier, die die Kundry nicht nur stimm­lich, son­dern vor allem auch in den vie­len Facetten ihrer Darstel­lung zum Ereig­nis wer­den lässt. Szenisch überzeu­gend auch Thomas Hamp­son, für den die Rolle des Amfor­t­as aber sicher­lich eine Gren­z­par­tie ist; es bleibt zu hof­fen, dass diesem exzel­len­ten lyrischen Bari­ton der Aus­flug ins Helden­fach nicht schadet. In der Titel­rolle lässt der Englän­der Christo­pher Ven­tris mit sym­pa­this­ch­er, höhen­sicher­er Stimme aufhorchen; Tom Fox ist ein überzeu­gen­der, rou­tiniert­er Kling­sor. Beachtlich die Leis­tung des Fest­spiel­chors Baden-Baden, bei dem es sich ja nicht um ein ständi­ges Kollek­tiv han­delt.
Klang und Bildqual­ität dieser DVD sind aus­geze­ich­net; eine ruhige, intel­li­gente Kam­er­aführung macht die Auf­führung auch für diejeni­gen zum Genuss, die nicht in Baden-Baden live dabei waren. Als Bonus enthält die DVD eine Doku­men­ta­tion dieser Pro­duk­tion, in der neben Diri­gent und Regis­seur auch einige Sänger zu Wort kom­men.
Thomas Lang