Maurice Ravel
Paris 2025
Le tombeau de Couperin/La valse/Boléro/Rapsodie espagnole/ Pavane pour une infante défunte u. a. Chœur de Radio France, Orchestre National de France, Ltg. Lionel Sow, Cristian Măcelaru
Seit Gründung des Orchestre National de la Radiodiffusion française 1934 (jetzt: Orchestre National de France) besteht eine enge Beziehung zur Musik von Maurice Ravel (1875–1937), die regelmäßig in Frankreich und während internationaler Tourneen präsentiert wurde und wird. Eine besondere Konzertreihe fand bei „Paris 2025“ statt, ein Festival zum 150. Geburtstag des Komponisten. Die dabei aufgeführten neun Werke – Originale und Arrangements für Orchester – sind nun diskografisch dokumentiert.
Leider gibt es im Booklet nur wenige Hinweise zur historischen Entstehung und zum Kontext der jeweiligen Versionen. Erfreulicherweise sind aber zwei CD-Weltpremieren zu verzeichnen. Die Klavier-Suite Le tombeau de Couperin, wovon Maurice Ravel einst vier Sätze selbst orchestrierte, hat David Molard Soriano, Co-Dirigent des Orchestre de France, um filigran artikulierte „Fugue“ und rhythmisch nervösen „Toccata“-Galopp jeweils kongenial bereichert.
Das Märchen-Ballett Ma mère l’oye erscheint in diskreten Chiaroscuro-Kontrasten (Gut und Böse) und das Poème choréographique La Valse als flamboyanter Abgesang dekadenter Plüschwelt im Fin de siècle. Die Très souple de rythme auf „Une barque sur l’océan“ (aus Miroirs) sind in scheinbar willkürlich schwankenden Bewegungen berücksichtigt, allerdings in einem zusammenhängenden Kontinuum, während die Pavane pour une infante défunte etwas schleppend vorankommt.
Wuchtiger Groove und iberisches Temperament kennzeichnen die Alborada del gracioso, sodass die Vitalitätskräfte der Morgendämmerung und zugleich der symbolisierte Engel-Kampf in eins konfiguriert werden. Solche Emotionen zeigen auch die Rapsodie espagnole (mit Jazzswing) und vor allem der unwiderstehlich-suggestive Schwung des Boléro als sich allmählich öffnender Klangtrichter zur Ekstase.
Ein weiterer Clou dieser Edition ist die komplette Aufnahme des bukolischen „Ballet en un acte et trois tableaux, ou symphonique choréographique“ Daphnis et Chloé in prächtigen Kolorits. Mit Hingabe sind da sprühende Freude, Grazie, Charme, Groteske und rüder Danse guerrière konfrontiert, kulminierend im tollen Bacchanal des Finales.
Festzustellen bleibt: In der exquisiten Revue „Paris 2025“ würdigt das Orchestre National de France mit fabelhaften Live-Interpretationen signifikantes Repertoire zum Gedenken an Maestro Maurice Ravel.
Hans-Dieter Grünefeld


