Werke von Giovanni Battista Somis, Pietro Castrucci, Arcangelo Corelli, Antonio Vivaldi, Henry Purcell u. a.
Pantheon – Corelli’s Orbit
Evgeny Sviridov (Violine), Concerto Köln
Arcangelo Corelli (1653–1713) war der bekannteste und am meisten bewunderte Geiger und Komponist seiner Zeit und darüber hinaus, vor allem in Rom, Paris und London. Er „erfand“ das Concerto grosso in seiner Standardform (mit zwei Violinen und einem Violoncello als Soli, mit Streichern und Basso continuo, vier Sätze), die seine Nachfolger dann in Besetzung und Satzfolge vielfach variierten. Auf Corellis Grabstein im römischen Pantheon steht „für die Unsterblichkeit empfohlen“. Diese neue CD beleuchtet seine „Umlaufbahn“ (also sein künstlerisches Umfeld) ausgehend von seinem Concerto grosso D-Dur op. 6 Nr. 4. Am Anfang stehen aber zwei höchst hörenswerte Ersteinspielungen. Die eine ist ein dreisätziges Violinkonzert in F-Dur von Corelli-Schüler Giovanni Battista Somis, der meist in Turin tätig war und nach eigenen Angaben nicht weniger als 152 Violinkonzerte komponierte. Die andere ist eine ebenso knapp gefasste Sinfonia aus dem 1715 in Rom uraufgeführten Oratorium La Conversione di Clodoveo, Re di Francia von dem Corelli-Kollegen Antonio Caldara, der hauptsächlich für die Habsburger arbeitete.
Gleichfalls in die CD aufgenommen und erstmals eingespielt sind hier zwei der 1705 in London veröffentlichten Select Preludes & Vollentarys für Violine solo – entsprechend der damaligen Praxis, präludierend in die Tonart und den Affekt des darauf folgenden Werks einzuführen: hier in D-Dur von Corelli selbst zu seinem auf dem Album vertretenen Concerto grosso und in g-Moll von Henry Purcell zum Concerto grosso op. 3 Nr. 9 des Corelli-Schülers Pietro Castrucci.
Unbedingt erwähnt werden muss noch das als Werk von Antonio Vivaldi (op. 7 Nr. 2, RV 299) überlieferte Violinkonzert G-Dur, besonders bekannt geworden durch die Bearbeitung für Tasteninstrument von Johann Sebastian Bach (BWV 973) – nach neuesten Erkenntnissen stammt aber wohl zumindest der langsame Mittelsatz von Corelli-Schüler Gasparo Visconti.
Das Originalklangensemble Concerto Köln schafft die große Kunst, sowohl die anspringende Lebensfreude als auch die klassizistische Würde dieser Musik kongenial herüberzubringen. In den beiden Concerti grossi von Castrucci (das andere steht gleichfalls in g-Moll und trägt die Opuszahl 3
Nr. 11) wird sogar Schlagwerk hinzugefügt – entsprechend der damaligen Praxis, an sich selbstständige Instrumentalwerke auch auf dem Theater zu verwenden, so in London für französische Tänzer. Als Solist bei Vivaldi, pardon: Visconti widersteht Evgeny Sviridov weitgehend der Versuchung, die von Bach in seiner Fassung eingefügten Verzierungen zu verwenden.
Ingo Hoddick


