Romberg, Andreas

Ouvertüre Es-Dur zur Oper “Die Großmut des Scipio” / Potpourri A‑Dur nach Melodien der Oper “Don Juan” von Mozart für Violine und Orchester op. 47 / Die Kindsmörderin op. 27 / Sinfonie Nr. 1 Es-Dur op. 6

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Es-Dur 2003
erschienen in: das Orchester 09/2004 , Seite 83

Außer­halb von musikhis­torischen Fachkreisen dürften Name und Werk des Kom­pon­is­ten Andreas Romberg wenn über­haupt nur durch seine noch gele­gentlich aufge­führte Ver­to­nung von Schillers Glocke bekan­nt sein. Die jüng­ste CD der Rei­he „Musik am Gothaer Hof“ (Es-Dur über Klas­sik Cen­ter Kas­sel) bietet nun einen ansprechend-facetten­re­ichen Quer­schnitt des Schaf­fens des Kom­pon­is­ten, der Aufmerk­samkeit ver­di­ent hat.
Geboren wurde Andreas Romberg, der ein­er weit verzweigten Musik­er­fam­i­lie entstammt, am 27. April 1767 im west­fälis­chen Vech­ta. Romberg, der als Geiger aus­ge­bildet wurde, konz­ertierte häu­fig mit seinem Vet­ter Bern­hard, dem ange­se­henen Cel­lis­ten. Mit ihm unter­nahm er Konz­ertreisen, die die bei­den auch nach Wien führten. Hier hat­te Romberg Kon­takt zu Joseph Haydn und Lud­wig van Beethoven. 1802 kam Romberg nach Ham­burg, wo er als Diri­gent, Geiger und Kom­pon­ist wirk­te. Zum abschließen­den Kar­ri­ere­ab­schnitt wurde seine Zeit als Hofkapellmeis­ter der Thüringis­chen Res­i­den­zs­tadt Gotha, wo er bis zu seinem Tod 1821 als Nach­fol­ger von Louis Spohr wirk­te. So ist es auch sin­nvoll, Andreas Romberg eine CD in der Rei­he „Musik am Gothaer Hof“ zu widmen.
Aus dem reich­halti­gen Schaf­fen des Kom­pon­is­ten, der Sin­fonien, Konz­erte, vor allem für Vio­line, Kam­mer­musik, immer­hin acht Opern sowie eine beachtliche Zahl von weltlich­er und geistlich­er Vokalsin­fonik schrieb, wur­den für die CD die erste Sin­fonie Es-Dur op. 6, die Ouvertüre Es-Dur op. 54 zur Oper Die Groß­mut des Sci­pio, die Szene Die Kindsmörderin nach Schiller für Sopran und Orch­ester sowie das Pot­pour­ri A‑Dur für Vio­line und Orch­ester nach Mozarts Don Gio­van­ni aus­gewählt. Beson­ders die Es-Dur-Sin­fonie und die Sci­pio-Ouvertüre ver­weisen in Form und Inhalt auf die Wiener Klas­sik, bei der Sin­fonie ist die Haydn-Nähe beson­ders aus­geprägt. Was Romberg fehlt, wird durch das Don Gio­van­ni-Pot­pour­ri deut­lich, dessen wirbel­nde vir­tu­osen Geigen­fig­u­ra­tio­nen schon in die frühe Roman­tik ver­weisen. Denn bei aller handw­erk­lichen Solid­ität man­gelt es Romberg an jen­em melodisch-har­monis­chen Ein­fall­sre­ich­tum, der sich bei Mozart in dem Duett „La ci darem la mano“, der „Champagner“-Arie Don Gio­van­nis und dem Menuett aus dem ersten Finale der Oper niederschlägt.
Dafür hat die Musik Rombergs in der Geigerin Antje Wei­thaas eine Inter­pretin, die weit über die vir­tu­ose Beherrschung des anspruchvollen Geigen­parts hin­aus die Musik zum Leben erweckt. Inter­esse erweck­en kann aber auch die Kindsmörderin nach Schillers gle­ich­namiger Bal­lade. Mit kraftvoll-aus­drucksstarkem lyrischen Sopran bietet Anke Hoff­mann – unter­stützt von der Mit­gliedern der Suh­ler Sin­gakademie sowie der Thürin­gen Phil­har­monie Gotha-Suhl unter Her­mann Breuer – ein pack­endes Porträt der jun­gen Mut­ter, die, von ihrem Lieb­haber im Stich gelassen, aus Verzwei­flung ihr Kind tötet und dafür hin­gerichtet wird. Breuer und die solide auf­spie­lende, in den Stre­ich­ern bisweilen etwas gehärtet klin­gende Phil­har­monie set­zen sich auch mit Nach­druck für die Sci­pio-Ouvertüre und die Es-Dur-Sin­fonie Rombergs ein. Ob dieser Ein­satz hinge­gen aus­re­icht, das Schaf­fen des Kom­pon­is­ten einem bre­it­eren Pub­likum nahe brin­gen zu kön­nen, darf bezweifelt werden.
 
Wal­ter Schneckenburger