Werke von Borodin, Dvořák, Humperdinck und anderen

Opera

10forBrass

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Genuin
erschienen in: das Orchester 09/2019 , Seite 67

Mit Opera legt das 2010 gegrün­dete, immer noch junge und nach wie vor her­aus­ra­gende Blech­bläserensem­ble 10forBrass mit Musik­erin­nen und Musik­ern aus ganz Deutsch­land seine dritte CD vor. Nach einem Porträt-Erstling und ein­er Auf­nahme mit Orig­i­nalkom­po­si­tio­nen für Blech­bläs­er enthält die neueste Ein­spielung Bear­beitun­gen aus bekan­nten Opern von Weber über Dvorák, Borodin, Prokofiev und Humperdinck bis zu Rossi­ni. Nun sind Arrange­ments für Brass­for­ma­tio­nen mit Vor­sicht zu genießen, denn sie adap­tieren bisweilen Werke, die nicht nach ihrer Eig­nung für diesen Zweck aus­ge­sucht wer­den, son­dern nach ihrer Bekan­ntheit. Die Zielvor­gabe lautet nicht sel­ten: schneller, höher, lauter. Die Musik bleibt dabei auf der Strecke.

Diese Bedenken seien vor­weg geschickt, weil sie bei dieser CD zum Glück nicht ange­bracht sind. Opern­bear­beitun­gen für Bläs­er haben sog­ar eine gute Tra­di­tion, seit Ende des 18. Jahrhun­derts die Regen­ten auch in den deutschen Kle­in­fürsten­tümern die neuesten Opern­hits hören woll­ten – sich Sänger und ein ganzes Orch­ester aber nicht leis­ten kon­nten. Die „Har­moniemusiken“ spiel­ten so ziem­lich alles mit Flöten, Klar­inet­ten, Oboen, Hörn­ern und Fagot­ten. Die Qual­ität stand freilich auf einem anderen Blatt. Eben­so ver­schieden war die Güte der Bear­beitun­gen.

Gute Arrange­ments sind eine hohe Kun­st, wobei zuallererst nach ihrer Inten­tion zu fra­gen ist: Tra­cht­en sie danach, einen möglichst authen­tis­chen Ein­druck des orig­i­nalen Werkes wiederzugeben? Oder wollen sie sel­biges in ein neues Licht rück­en und dabei bewusst seinen Charak­ter verän­dern? Der Ansatz von 10forBrass und den drei Arrangeuren Jür­gen Pfi­ester, Hans-Joachim Drech­sler und Peter J. Lawrence ist klas­sisch-kon­ser­v­a­tiv: Opu­lente Orch­ester­sätze ein­schließlich gele­gentlichen Solo­ge­sangs wer­den auf 13 Blech­bläserin­nen und Blech­bläs­er (an Trompe­ten, Hörn­ern, Posaunen und Tuba) und mehrere Schla­gin­stru­mente verteilt. Die Über­tra­gung ist in vie­len Fällen so geschickt gelöst, dass man gar nicht den Ein­druck hat, hier han­delt es sich um eine Bear­beitung. Was freilich nicht zulet­zt an der her­aus­ra­gen­den Tech­nik, Flex­i­bil­ität und dem fein abges­timmten Gesamtk­lang des Ensem­bles liegt. Beson­ders die Trompe­ten spie­len sehr leicht, vir­tu­os und glänzend.

Zugle­ich wur­den aber auch die Vor­la­gen recht geschickt aus­gewählt: Samtige Choral­sätze sind dabei (Rusal­ka, Hänsel und Gre­tel), strahlende Fan­faren­rufe (Wil­helm Tell) und Werke, die auch im Orig­i­nal von Blech­bläsern dominiert wer­den (Die Liebe zu den drei Orangen), jedoch nicht so deut­lich, dass eine Bear­beitung obso­let gewe­sen wäre. An die Gren­ze kommt die blech­bläserische Aus­führung dann, wenn fed­er­le­ichte Stre­icherkaskaden und Brechun­gen sich der Aus­führung mit Lip­pen, Zun­gen und Ven­tilen ent­ge­gen­stellen (Ouvertüre zum Freis­chütz), doch das geschieht sel­ten. Gerne hätte man im Book­let etwas zur Bear­beitung­stech­nik der Arrangeure gele­sen – der Inhalt der Werke ste­ht in jedem Opern­führer. So muss man eben selb­st genau zuhören, was nach­haltige Freude bere­it­et.

Johannes Kil­lyen