Henze-Döhring, Sabine / Sieghart Döhring

Oper

Die 101 wichtigsten Fragen

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: C. H. Beck, München 2017
erschienen in: das Orchester 07-08/2017 , Seite 58
Titel und Rück­en­text („für alle Opern­fre­unde und solche, die es wer­den wollen“) sind ange­tan, um an der Materie ern­sthaft Inter­essierte zu ver­schreck­en – ver­heißen sie doch eher eine niedrigschwellige Ein­führung in die Kun­st­gat­tung Oper. Auch die auf dem Rück­en abge­druck­ten Beispiels­fra­gen gemah­nen eher an Was ist was-Jugend­büch­er („Warum ist Oper so teuer?“ oder „Was ist ein Libret­to?“ usw.) als an ein knappes, mit Ken­ner­schaft ver­fasstes Hand­buch.
Die Autoren Sabine Hen­ze-Döring und Sieghart Döring sind als Musik­wis­senschaftler aus­gewiesene Opern­spezial­is­ten, die eine beacht­enswerte Rei­he an Fach­pub­lika­tio­nen zur Operngeschichte vorgelegt haben. So ver­wun­dert es nicht, dass sich das Bänd­chen als ein sys­tem­a­tis­ches und pro­fun­des Kom­pendi­um ent­pup­pt, das das Kun­st­stück fer­tig bringt, auf 160 Seit­en nahezu alles Wis­senswerte zur Gat­tung zusam­men­zu­tra­gen, von der Geschichte der Gat­tung über musikalis­che und szenis­che Fra­gen bis hin zur Opern­land­schaft der Gegen­wart. Die Autoren find­en knappe Antworten zu allen wesentlichen Fra­gen, die auftreten kön­nen, schreiben sach­lich und sprach­lich fundiert und nie ober­fläch­lich. Die Texte erfordern eine hohe Konzen­tra­tion des Lesers, weil sie inhaltlich und sprach­lich eine so hohe Dichte aufweisen, dass sie kaum zur beiläu­fi­gen, raschen Infor­ma­tion tau­gen.
Mit anderen Worten: Hier liegt ein auch für den Fach­mann nüt­zlich­es Nach­schlagew­erk vor – kaum ein Opernken­ner oder Musik­er dürfte auf schein­bar ein­fache Fra­gen wie „Wann, wo und warum wurde die Oper erfun­den?“, „Wieso haben manche Opern ein Bal­lett?“, „Welche Rolle spie­len die Chöre?“, „Warum gibt es Ouvertüren und Vor­spiele?“ – um wahl­los einige der The­men her­auszu­greifen – der­art tre­f­fende, präzise und schlüs­sige Erk­lärun­gen find­en. Hier ver­mö­gen die Autoren mit ihrer bre­it­en Sachken­nt­nis immer wieder zu verblüf­fen und his­torische Zusam­men­hänge darzule­gen, die selb­st vie­len Ken­nern und Spezial­is­ten nicht präsent sein dürften.
Ger­ade in den Beiträ­gen, die in die Geschichte der Gat­tung ein­tauchen, erweist sich die Stärke des Bänd­chens. Ein­wände von Kri­tik­ern am Opern­we­sen, etwa warum Oper so teuer ist und ob sie elitär ist, bleiben nicht aus­ges­part; im Gegen­teil: Hier bekommt man dur­chaus Argu­men­ta­tion­shil­fen, um auch diesen Ein­wän­den ent­geg­nen zu kön­nen. Zugeständ­nisse an die vom Ver­lag wohl intendierte Ziel­gruppe, den Lieb­haber und Gele­gen­heit­sopernbe­such­er mit geringer Sachken­nt­nis, find­en sich mit Fra­gen wie „Welche Funk­tion hat die Par­ti­tur?“, „Was macht der Diri­gent?“ oder im Abschnitt „Oper und Medi­en“. Ein über­sichtlich­es Inhaltsverze­ich­nis und weit­er­führende Lit­er­a­turempfehlun­gen run­den das Buch ab.
Faz­it: Ein kleines Juwel in beschei­den­er Auf­machung, vom Ver­lag unter Wert präsen­tiert, das in jede Stadt- und Schul­bib­lio­thek gehört und ger­ade für Schul­musik­er unent­behrlich ist!
Chris­t­ian Ubber