Duda, Jörg / John Williams / Roland Szentpáli

On the way. Werke für Tuba

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Sony Classical 88843047082
erschienen in: das Orchester 10/2014 , Seite 75

Anton Bruck­n­er und Gus­tav Mahler bedi­en­ten sich der (Kontra-)Bass­tuba, um den tief­st­möglichen Klang­ef­fekt im Sym­phonieorch­ester zu erzie­len. Die Tuba als Soloin­stru­ment wurde bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhun­derts hinge­gen sehr stiefmüt­ter­lich behan­delt, doch ver­half Hin­demith mit sein­er Sonate für Basstu­ba und Klavier dem erst 1835 erfun­de­nen Ins­trument immer­hin zu kam­mer­musikalis­ch­er Aufmerk­samkeit. Nicht zulet­zt wegen ihrer Ver­wen­dung in bes­timmten Jaz­zgen­res gewann die Solo-Tuba immer mehr Anhänger, u.a. Ralph Vaugh­an Williams; bis heute wird für sie aber mehr aus Vergnü­gen am Orig­inellen kom­poniert. Vir­tu­os­es Kön­nen ver­langte schon Vagn Holm­boe in seinem lau­ni­gen Konz­ert für Tuba und Orch­ester von 1976, dessen Unmit­tel­barkeit und sprudel­nde Ein­fälle das Konz­ert des Amerikan­ers John Williams von 1985 und das des 1968 gebore­nen Kirchen­musik­ers Jörg Duda vor­wegzunehmen scheinen.
Im Inter­view deutet Andreas Mar­tin Hofmeir, der Solist der vor­liegen­den Auf­nahme und wie Duda in der Haller­tau aufgewach­sen, die Schwierigkeit­en an, die Tubis­ten mit dem Konz­ertreper­toire haben: Es liegen näm­lich kein­er­lei Werke klas­sis­ch­er oder roman­tis­ch­er Prove­nienz vor. Tat­säch­lich diente die Tuba in der Mod­erne Klang­ex­per­i­menten, vor allem in der Kon­trastierung mit den Instru­menten­grup­pen des Orch­esters. Somit ist Hofmeirs Begeis­terung für Dudas 1. Tuba-Konz­ert op. 67/1, das er ihm per­sön­lich zueignete, ver­ständlich, denn es bezieht roman­tis­che Ten­den­zen in die Satz­fak­tur ein. Hofmeir selb­st spielte das Konz­ert im Übri­gen schon ein­mal ein, näm­lich mit der Phil­har­monie Salzburg für das Label Gen­uin.
Die Münch­n­er Phil­har­moniker gehen die vier Werke der vor­liegen­den CD behut­sam an, elegis­che Nuan­cen in den Werken von Williams und Duda wer­den wahrgenom­men und mit Schliff verse­hen. Dabei ver­liert Andrew Manze als Diri­gent mit Wurzeln in der his­torisch informierten Auf­führung­sprax­is an kein­er Stelle den munter-pulsieren­den Rhyth­mus, den die Par­ti­turen bieten, aus den Augen. Darüber hin­aus ken­nt der Englän­der das Orch­ester durch Gast­diri­gate in den ver­gan­genen Jahren. Hofmeir, der als Musik­er der Blas­musik-For­ma­tion LaBrass­Ban­da in zweit­er Beru­fung absolute Gren­zen zwis­chen ern­ster und Unter­hal­tungsmusik ohne­hin nicht anerken­nen will, ver­lei­ht selb­st den jaz­zna­hen, nur flüchtig an Bierzeltkapellen erin­nern­den Tuba-Momenten Ele­ganz.
Dudas finnisch inspiri­erte dreisätzige Kom­po­si­tion Matkalla (on the way) op. 82/1 ver­an­lasste Hofmeir – dem sie gewid­met ist – zum Mot­to der gesamten Auf­nahme: Die Tuba ist noch „unter­wegs“ zu ihrer tat­säch­lichen Anerken­nung als gle­ich­w­er­tiges Instru­ment. Mit dem ungarischen Crossover-Tubis­ten Roland Szent­páli ist er befre­un­det – man ken­nt sich im kleinen Kreis der Tuba-Solis­ten. Roland Szent­páli, mit heute 37 Jahren der jüng­ste der in dieser Pro­duk­tion ver­sam­melten Kom­pon­is­ten und selb­st Konz­ert­tubist, schließt mit dem hier beina­he etwas zu leg­er swin­gen­den Früh­stück­s­jaz­zstück Very good morn­ing, wobei er sich die Solopar­tie mit Klavier und Schlagzeug teilt. Auf­nahme und Abmis­chung lassen wenig zu wün­schen übrig, denn es wurde sowohl auf Durch­hör­barkeit als auch auf den Ein­druck des Gesamtk­langs geachtet.
Hanns-Peter Med­er­er