Druschetzky, Georg

Oboenquartett g‑Moll

für Oboe, Violine, Viola und Violoncello, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Zimmermann, Frankfurt am Main 2005
erschienen in: das Orchester 01/2007 , Seite 86

Vom Dienst als Mil­itär­musik­er arbeit­ete sich der 1745 geborene Georg Druschet­zky zum Land­schaftspauk­er in Linz hoch; seine Kar­riere been­dete er als „Com­pos­i­teur“ beim Erzher­zog Josef von Hab­s­burg in Budapest. In Fachkreisen für seine Oboen- und Pauk­erkun­st anerkan­nt, blieb Druschet­zky bis heute die große Anerken­nung ver­sagt. Naturgemäß hat es jed­er Kom­pon­ist dieser Epoche schw­er, wird er doch stets mit dem großen Dreige­stirn Mozart-Haydn-Beethoven ver­glichen.
Eher prak­tisch ori­en­tiert sind die Werke Druschet­zkys, ganz aus dem Ges­tus der Mil­itär­musik her­aus geboren. Schmis­sige Rhyth­men, teils ungarisch gefärbt, paaren sich in seinen Werken mit eingängi­gen Melo­di­en. Trotz­dem sind seine Werke nicht flach, verbindet er doch damit zusät­zlich strenge for­male Kri­te­rien und schrieb saubere, teils erstaunlich poly­fon gear­beit­ete Par­ti­turen im Stil des Sturm und Drang.
1806 schrieb er das nun im Druck erschienene Quar­tett für Oboe und Stre­ichtrio. Drei Sätze umfasst das etwa zehn­minütige Quar­tett, das kon­se­quent auf den Form­prinzip­i­en der Klas­sik beruht: Nach ein­er kurzen Ada­gio-Ein­leitung mit drama­tis­chen Punk­tierun­gen und ungewöhn­lich muti­gen har­monis­chen Wen­dun­gen fol­gt ein Alle­gro mit
einem merk­würdig zer­ris­se­nen Haupt­the­ma. Nicht die Melodie ste­ht hier im Vorder­grund, son­dern der drama­tis­che Impe­tus der Tonart g‑Moll mit pulsieren­den Achteln und ver­min­derten Akko­r­den. Sehr lyrisch gibt sich das Seit­en­the­ma mit wun­der­schö­nen Kan­tile­nen.
Immer wieder bevorzugt Druschet­zky ungewöhn­liche Har­moniewen­dun­gen. So lässt er in der Durch­führung eine ganze Pas­sage in b‑Moll spie­len, bevor er über mehrere ver­min­derte Akko­rde mit­ten in die Reprise springt. Erfreulicher­weise sind alle Stim­men (auch die Vio­la) mit vir­tu­osen Ein­la­gen und Soli betraut. Die Oboe ist weniger führende Stimme als einge­bet­tet in den vollen Stre­icherk­lang. Häu­fig schreibt Druschet­zky abrupte Dynamik­wech­sel vor, die speziell dem Kopf­satz zusät­zliche Explo­siv­ität ver­lei­hen.
Druschet­zky beschäftigte sich aus­giebig mit der Kom­po­si­tion­slehre des Bach-Schülers Kirn­berg­er. Als Rev­erenz an den Meis­ter ist der zweite Satz ein Vari­a­tions-Andante auf den Namen B‑A-C‑H. Zweimal acht Tak­te umfasst das auf diesen Noten beruhende The­ma, das in der zweit­en Hälfte zunächst als Krebs und dann erst in sein­er ursprünglichen Form erklingt. In diesen Vari­a­tio­nen zeigt Druschet­zky die Band­bre­ite seines Kön­nens mit fugierten Pas­sagen und gekon­nten Kon­tra­punk­ti. Rem­i­niszen­zen an den ersten Satz und plöt­zliche Forte-Ein­brüche bere­ich­ern dieses Andante. Unkom­pliziert gibt sich das Finale. Das unisono erklin­gende stür­mis­che The­ma durchzieht mit seinem kraftvollen Impe­tus weite Streck­en des Satzes.
Das Stück ist wed­er tech­nisch noch musikalisch so anspruchsvoll wie das allen Obois­t­en geläu­fige Mozart-Quar­tett. Es bietet jedoch eine wun­der­bare Pro­gram­mergänzung für Quar­tet­tbe­set­zun­gen. Eine saubere tech­nis­che Basis soll­ten jedoch alle Aus­führen­den mit­brin­gen. Der tex­tkri­tis­chen Edi­tion des Her­aus­ge­bers Chris­t­ian Schnei­der liegt das Manuskript in der Musik­samm­lung der Nation­al­bib­lio­thek Széchényi in Budapest zugrunde.
Marie-Theres Justus-Roth