Werke von Mendelssohn, Bray, Beethoven und Hosseini

Oberon celebrates Shakespeare

Oberon Trio

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Avi-Music 8553367
erschienen in: das Orchester 05/2017 , Seite 70

Noch ist das Oberon Trio nicht allen Kam­mer­musik­fre­un­den bekan­nt, doch sollte sich das nicht zulet­zt durch diese neue, seine zweite CD rasch ändern. Seit zehn Jahren konz­ertiert es in Deutsch­land und auch inter­na­tion­al äußerst erfol­gre­ich. Mit ihrem pro­gram­ma­tis­chen Titel Oberon cel­e­brates Shake­speare spielt die CD auf den Namenspa­tron des Ensem­bles an, den Elfenkönig aus Shake­spear­es Komödie Ein Som­mer­nacht­straum.
Zwei der auf der CD enthal­te­nen Kom­po­si­tio­nen, Felix Mendelssohn Bartholdys 2. Klavier­trio c-Moll op. 66 und Lud­wig van Beethovens 5. Trio D-Dur op. 70 Nr. 1, haben einen eher indi­rek­ten, zwei weit­ere einen direk­ten Bezug zum britis­chen Dichter. So ergibt sich ein unge­mein reizvolles Kon­trast­pro­gramm klas­sisch-roman­tis­ch­er und zeit­genös­sis­ch­er Kam­mer­musik. Mendelssohn hat seine Affinität zu Shake­speare nach­drück­lich durch seine Musik zum Som­mer­nacht­straum unter Beweis gestellt, wohinge­gen seinen bei­den Klavier­trios zumin­d­est phasen­weise eher atmo­sphärische Nähe zur Shake­speare-Welt anzumerken ist. Und das „Geis­ter­trio“ von Beethoven tritt immer noch fast zu ein­seit­ig unter diesem Beina­men auf, den es vom Beethoven-Schüler Carl Czerny erhielt, bezo­gen auf den „geis­ter­haften“ langsamen Satz.
Dage­gen liegt der direk­te Bezug zum Som­mer­nacht­straum bei den bei­den anderen Werken auf der Hand: Der britis­chen Kom­pon­istin Char­lotte Bray gelingt es in den ger­ade ein­mal fün­fein­halb Minuten von That Crazed Smile, die feen­hafte Zauber­welt Oberons in faszinierende Klänge zu ban­nen – ein dankbar auf die drei Instru­mente zugeschnittenes Stück intimer Kam­mer­musik. Ein beson­deres Kabi­nettstück steuern die drei exzel­len­ten Oberon-Musik­er schließlich mit der über­aus gelun­genen Adap­tion des bekan­nten Orch­ester-Scher­zos aus der Musik zum Som­mer­nacht­straum von Mendelssohn bei. Gemein­sam mit dem iranisch-schwedis­chen Musik­er Man­soor Hos­sei­ni erstell­ten sie eine effek­tvoll-vir­tu­ose Bear­beitung für Klavier­trio und feierten damit 2016 gle­ichzeit­ig das zehn­jährige Beste­hen des Trios und den 400. Todestag von William Shake­speare.
Erk­lärter­maßen bemühen sich die drei Musik­er nicht nur bei ihren Pro­duk­tio­nen, son­dern auch gern in ihren öffentlichen Konz­erten um Pro­gramme, die über­ge­ord­neten Ideen fol­gen. Hier präsen­tiert sich ein junges Ensem­ble, das jede Aufmerk­samkeit ver­di­ent hat: Hen­ja Semm­ler (Vio­line), Antoane­ta Emanuilo­va (Vio­lon­cel­lo) und Jonathan Aner (Klavier) zeich­net gle­icher­maßen bestechende spiel­tech­nis­che Vir­tu­osität, musikan­tis­ch­er Elan und per­fek­tes kam­mer­musikalis­ches Ein­vernehmen aus. Dabei ist – dem kam­mer­musikalis­chen Grund­prinzip der Gle­ich­berech­ti­gung entsprechend – kein „Primus inter Pares“ auszu­machen: Völ­lig selb­stver­ständlich und (schein­bar) müh­e­los lösen sie sich werkgerecht in der Führungsrolle ab und steuern jew­eils den­noch hör­bar ihre eige­nen indi­vidu­ellen Impulse bei. Man spürt in jed­er Phrase die weit­ge­hende inter­pre­ta­torische Übere­in­stim­mung – Kam­mer­musik auf höch­stem Niveau, ein Geheimtipp für alle Konz­ertver­anstal­ter!
Arnold Wern­er-Jensen

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