Hartmann, Emil

Nordic Folk Dances / Hakon Jarl / A Carnival Feast

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Dacapo 8.226041
erschienen in: das Orchester 09/2007 , Seite 86

Diese CD ist eine Ent­deck­ung! Denn wer ken­nt schon die Musik Emil Hart­manns? Im Konz­ert­führer würde man den dänis­chen Kom­pon­is­ten zwis­chen Hän­del und Haydn ver­muten. Doch hier wie im ewig gle­ichen Konz­ertreper­toire wird man diesen Namen nicht find­en. Das Copen­hagen Phil­har­mon­ic Orches­tra hat jet­zt unter der Leitung von Bo Holten drei sein­er damals pop­ulärsten sym­phonis­chen Werke einge­spielt, zwei davon als Erstein­spielung.
Dass Hart­mann schon zu kom­ponieren begann, bevor er über­haupt richtig sprechen kon­nte, gehört sich­er zu ein­er der Behaup­tun­gen, die in Hart­mann das eigen­ständi­ge Tal­ent sehen woll­ten. Denn Hart­mann litt sein ganzes Leben darunter, Sohn des damals sehr erfol­gre­ichen Kom­pon­is­ten, Diri­gen­ten und Organ­is­ten Johan Peter Emil­ius Hart­mann und Schwa­ger von Niels W. Gade zu sein. So kam Hans Chris­t­ian Ander­sen nach der Urauf­führung von Hart­manns erster Oper Elver­pi­gen (Das Elfen­mäd­chen) auch zu dem Urteil, dass der alte Hart­mann der geborene Kom­pon­ist sei, der junge dage­gen dazu erzo­gen wurde.
Dank des Copen­hagen Phil­har­mon­ic Orches­tra kann man sich nun ein eigenes Bild vom Tal­ent Hart­manns machen. Schon allein dafür ist dem Orch­ester zu danken. Bere­its bei der ersten Begeg­nung mit dieser Musik wird ersichtlich, weshalb Hart­mann zu Lebzeit­en ein äußerst erfol­gre­ich­er und beliebter Kom­pon­ist gewe­sen war – vor allem in Deutsch­land. Hart­mann erweist sich als eben­so gekon­nter Tondichter mit Gespür für die orches­tralen Mit­tel wie als Kom­pon­ist von wirkungsvoller Musik, die in der Ein­spielung vor­bild­haft umge­set­zt wird.
In den 1876 veröf­fentlicht­en Nordis­chen Volk­stänzen (Nordiske Folkedanse op. 18), die Hart­mann aus vor­ange­gan­genen Kom­po­si­tio­nen zusam­men­stellte, erklingt unüber­hör­bar ein nordis­ch­er Volk­ston. Gle­ich das erste Scher­zo vari­iert zwei rhyth­misch akzen­tu­ierte Motive mit vir­tu­os­er Instru­men­ta­tion. Obwohl Hart­mann stark von der deutschen Musik­tra­di­tion bee­in­flusst wurde, dominiert in seinen Kom­po­si­tio­nen ein damals für skan­di­navis­che Musik typ­is­ch­er Stil. Die Nordis­chen Volk­stänze offen­baren sich als eine form­sichere Kom­po­si­tion mit brausen­dem Finale, welch­es das Orch­ester stür­misch und mit sym­pa­this­chen Patzern im Blech bestre­it­et.
Die sym­phonis­che Dich­tung Hakon Jarl op. 40 schlägt dage­gen auch ruhigere Töne an. Obwohl auch hier wieder unüber­hör­bar Hart­manns musikalis­che Erfahrun­gen in Deutsch­land anklin­gen, zählt Hakon Jarl zu jen­er Musik, die durch einen eige­nen Stil besticht.
Die Begeis­terungsstürme, die Ein Karnevals­fest (En Karnevals­fest, op. 32) in Europa aus­lösten, lassen sich ohne Zweifel nachvol­lziehen. Vor allem die abschließende Taran­tel­la, wun­der­bar gespielt, bleibt im Gedächt­nis. Erstaunlich, dass kein Orch­ester zuvor diese Werke für sich ent­deckt hat.
Tobias Werner