Tischendorf, Klaus

Norbert Burgmüller

Thematisch-Bibliographisches Werkverzeichnis unter Mitwirkung von Tobias Koch, hg. in Zusammenarbeit mit der Norbert-Burgmüller-Gesellschaft

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Dohr, Köln 2011
erschienen in: das Orchester 10/2011 , Seite 60

Dem 1836 ver­stor­be­nen, damals ger­ade 26-jähri­gen Nor­bert Bur­müller war nur eine äußerst knappe Schaf­fen­szeit vergön­nt, und er hin­ter­ließ ein ungewöhn­lich kleines Œuvre (wie viel hat­ten dage­gen etwa Mozart oder Schu­bert im gle­ichen Alter bere­its kom­poniert!): Ger­ade ein­mal 17 Werke mit Opuszahl und weit­ere zwölf Stücke ohne entsprechende Num­merierung (oben­drein zum Teil frag­men­tarisch oder sog­ar nur dem Titel nach noch bekan­nt) sind über­liefert – und nichts davon ist zu Burgmüllers Lebzeit­en veröf­fentlicht wor­den. Obwohl er in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun­derts somit kaum in Konz­erten vertreten oder gar in haus­musikalis­chen Kreisen ver­bre­it­et sein kon­nte, kan­nten und schätzten ihn seine „Fachkol­le­gen“ sehr wohl und set­zten sich posthum für ihn ein: Bei Burgmüllers Beerdi­gung erk­lang zum Beispiel ein Trauer­marsch, den Felix Mendelssohn Bartholdy zu diesem Anlass extra kom­poniert hat­te, und Robert Schu­mann instru­men­tierte 1851 den drit­ten Satz der unvol­len­det hin­ter­lasse­nen zweit­en Sin­fonie.
Umfassend kann man sich nun über Burgmüller anhand des Werk-
verze­ich­niss­es informieren, das Klaus Tis­chen­dorf in Zusam­men­hang mit dem 175. Todestag des Kom­pon­is­ten her­aus­ge­bracht hat und das sich an dem längst bewährten Auf­bau dieser Fach­lit­er­atur ori­en­tiert: Zuerst die Werke in der Rei­hen­folge der (vielfach nicht authen­tis­chen, aber so geläu­fi­gen) Opuszahlen, dann die restlichen, hier chro­nol­o­gisch ange­ord­neten Stücke. Die aus­führlichen Infor­ma­tio­nen zu jed­er Kom­po­si­tion (darunter zwei Sin­fonien, Kam­mer­musik und mehr als zwanzig Lieder) sind klar gegliedert: aus­sagekräftige Noten­in­cip­its, Darstel­lung der Entste­hungs- und Wirkungs­geschichte unter Her­anziehung vor allem zeit­genös­sis­ch­er Zeug­nisse (vor­wiegend Briefe und Rezen­sio­nen), Beschrei­bung der Quellen und bib­li­ografis­che Doku­men­ta­tion der Pub­lika­tio­nen (Erst- und wichtige Neuaus­gaben).
Dabei wird deut­lich, dass Burgmüllers Schaf­fen der Öffentlichkeit im Wesentlichen in zwei Schrit­ten zugänglich gemacht wor­den ist: zum einen als „Musikalis­ch­er Nach­lass“, den Kist­ner um 1865 in Leipzig veröf­fentlicht hat und mit dem der größte Teil der Kom­po­si­tio­nen vor­lag, und zum anderen im Rah­men der „Denkmäler Rheinis­ch­er Musik“ (Ver­lag Dohr, Köln) mit der von Klaus Mar­tin Kopitz edierten, seit 2010 voll­ständi­gen Gesam­taus­gabe.
Eine pro­funde Bib­li­ografie und ein erfreulich umfan­gre­ich­er Bildteil mit Fak­sim­i­les von Auto­grafen, Titel­seit­en zahlre­ich­er Erstaus­gaben, Konz­ert­pro­gram­men von Urauf­führun­gen sowie Porträts des Kom­pon­is­ten und ein­er größeren Anzahl von Per­sön­lichkeit­en, die sich schon im 19. Jahrhun­dert für sein Werk einge­set­zt haben, ergänzen Tis­chen­dorfs Arbeit, deren Ver­di­enst allen­falls von einem etwas hohen Preis über­schat­tet wird.
Georg Günther