Johann Sebastian Bach

New Brandenburg Concertos Organ Trio Sonatas, arranged for various ensembles by Antoine Torunczyk

Concerto Copenhagen, Ltg. Lars Ulrik Mortensen

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Berlin Classics
erschienen in: das Orchester 4/2026 , Seite 75

Sensations-Schlagzeile, fett: Neue Brandenburgische Konzerte entdeckt! Aber weit gefehlt! Denn erstens stammt die Bezeichnung „Brandenburgische Konzerte“ nicht von Bach selbst (hier lautete sie: Six Concerts Avec plusieurs instruments), sondern von Philipp Spitta, und zweitens handelt es sich um Arrangements von sechs Bach’schen Orgel-Triosonaten, die von dem engagierten Solo-Oboisten und Lehrer in Paris und Tübingen, Antoine Torunczyk, nachempfunden wurden.
Nun sind Bach-Bearbeitungen Legion: zunächst vom Meister selbst, indem er viele seiner Schöpfungen in (teils nur geringfügig) veränderte Gewänder, sogenannte Parodien, gesteckt hat. Fast sämtliche Fremdbearbeitungen müssen freilich damit leben: Die genialsten und inspiriertesten Bach-Parodien stammen von Bach selbst. Die vorliegenden Kompositionen fußen auf den Orgelsonaten mit den BWV-Ziffern 525 bis 530.
Im Beiheft gesteht Torunczyk: „I was initially a little sceptical.“ Dass er dieses Projekt überhaupt gewagt hat, ist dem Corona-Lockdown zu verdanken, während dessen er einen „unvorstellbaren Hunger“ nach Musik verspürt habe. In beeindruckender Ehrlichkeit und Bescheidenheit räumt der Arrangeur freilich ein: „The final outcome of this long journey, presented in this recording, is a work of fiction, far from any claim to authenticity.“
Gleichwohl kann man dieser Bach’schen „Neu“-Schöpfung seine Anerkennung nicht ganz versagen. Ähnlich den originalen Brandenburgischen lässt Torunczyk wechselweise Instrumente des Orchesters miteinander sprechen und auch für das barocke Klangbild hat der Bearbeiter ein geschicktes Händchen.
„Hits“ dieser Sammlung sind natürlich jene Orgelsonaten BWV 527 (Adagio e dolce) und 529 (Allegro), in deren Letzterer – was Wunder? – der Oboist Torunczyk seinem Instrument einen besonders prominenten Platz einräumt. Über ein Ensemble wie Concerto Copenhagen muss man nicht viele Worte verlieren: Ausweislich ungezählter Aufnahmen spielen sie stets historisch äußerst informiert und lassen auch in dieser „Parodie“ keine Wünsche offen.
Verknöcherte Bach-Purist:innen mögen angesichts dieser Aufnahmen die Ohren rümpfen. Alle anderen Liebhaber:innen Bach’scher Musik werden diese Einspielungen mit Vergnügen, vielleicht sogar mit Begeisterung aufnehmen.
Zum Beiheft (im vorliegenden Falle wohl richtiger: Booklet) ist bedauernd anzumerken: Obwohl die CD bei Berlin-Classics erschienen ist, findet hier keine deutsche Sprache mehr statt.
Friedemann Kluge

 

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