Ligeti, György

Mysteries of the Macabre

für Trompete und Klavier

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2007
erschienen in: das Orchester 09/2007 , Seite 83

Györ­gy Ligetis einzige Oper Le Grand Macabre wurde am 12. April 1978 in Stock­holm uraufge­führt. Sie ist eines der umstrit­ten­sten und doch erfol­gre­ich­sten Stücke des neuen Musik­the­aters. Ligeti beze­ich­nete dieses nach Michel de Ghelderodes Vor­lage eines absur­den The­ater­stücks geschriebene Werk als „Anti-Anti- Oper“. Elgar Howarth, ehe­mals Mit­glied des leg­endären Phillip Jones Brass Ensem­bles und bekan­nt als engagiert­er Lieb­haber zeit­genös­sis­ch­er Musik, wagte sich an dieses Werk mit ein­er Bear­beitung für Trompete und Klavier neb­st eini­gen Schla­gin­stru­menten und wählte drei Arien für seine Fas­sung aus.
Die Reduk­tion auf zwei Aus­führende macht die Auf­gabe beson­ders schwierig, da neben der üblichen Orch­ester­par­ti­tur auch noch zahlre­iche Spezial­ef­fek­te berück­sichtigt wer­den mussten. Howarth ver­suchte diese durch Ein­satz von ver­schiede­nen Aktio­nen der bei­den Solis­ten umzuset­zen. Zum Beispiel durch Perkus­sion­sin­stru­mente wie Mara­cas, Kastag­netten, Con­gas u. s. w., die der Pianist neben seinem recht schwieri­gen Part zusät­zlich bedi­enen muss. Auch kör­per­lich­er Ein­satz ist gefragt, Fuß­stampfen, Pfeifen oder Schreien, Zun­gen­schnalzen. Die Stimme kommt bei bei­den Instru­men­tal­is­ten eben­falls durch „Sin­gen“ ver­schieden­er Sil­ben zum Ein­satz. Von den Aus­führen­den wer­den alle Möglichkeit­en von Lautäußerun­gen ver­langt, doch dient dies nicht ein­er bil­li­gen Effek­thascherei.
Der in C geschriebene Trompe­ten­part ist höchst anspruchsvoll und fordert sehr viel Flex­i­bil­ität. Allein die Ein­studierung macht sicher­lich viel Spaß, da bei­de Stim­men (Klavier und Trompete) sehr gut kor­re­spondieren; die Effek­te leis­ten einen weit­eren Beitrag dazu. Vorstell­bar wäre auch der Ein­satz ein­er Pic­co­lo-Trompete.
Hor­warth hat es nicht nur geschafft, die Atmo­sphäre von Ligetis Werk einz­u­fan­gen, er hat auch ein eigen­ständi­ges, anspruchsvolles Werk für Trompete und Klavier geschrieben. Nicht nur die Inter­pre­ten wer­den ihre Freude daran haben, auch das Pub­likum wird dieses Stück mit Vergnü­gen und Begeis­terung hören.
Michael Schmidt