Musikland Deutschland

Eine Reise durch ein Kulturerbe mit Josef Lehmkuhl

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Königshausen & Neumann, Würzburg 2012
erschienen in: das Orchester 01/2013 , Seite 63

In Zeit­en ein­er per­ma­nen­ten Diskus­sion um die Angemessen­heit der Stre­ichung bzw. Kürzung staatlich­er Sub­ven­tio­nen für den Kul­turbere­ich demon­stri­ert uns der vor­liegende Bild­band mit seinen infor­ma­tiv­en Tex­ten, welch „unver­gle­ich­liche Orch­ester­land­schaft“ es in Deutsch­land gibt. Der Ver­fass­er spricht in seinem Vor­wort (er for­muliert es musikalisch „Zur Ein­stim­mung“) zu Recht von ein­er „weltweit einzi­gar­ti­gen Kul­tur­land­schaft“, die sich nicht nur auf ein über­aus reich­es Erbe an Musik­w­erken, son­dern auch auf eine außergewöhn­lich abwech­slungsre­iche „Musik-Architek­tur“ stützen kann. Das Anliegen dieses Ban­des beste­ht darin, diese Musik­land­schaft mit aus­gewählten Bildern und infor­ma­tiv­en Tex­ten zu doku­men­tieren.
Zu diesem Zweck unter­nahm der Autor von 2010 bis 2012 aus­gedehnte Reisen quer durch Deutsch­land und besuchte mehr als fün­fzig Städte, in denen renom­mierte The­ater, Opern- und Konz­erthäuser beste­hen, die er mit­tels ein­drucksvoller Far­bauf­nah­men präsen­tiert. Das Bayreuther Mark­gräfliche Opern­haus ist mit dem Eröff­nungs­jahr 1748 das älteste (und auch eines der schön­sten), und die skan­dalumwit­terte, aber architek­tonisch dur­chaus imposante Elbphil­har­monie in Ham­burg wird wohl das jüng­ste Kul­tur­pro­jekt gigan­tis­chen Aus­maßes sein, wenn es mit der vorge­se­henen Eröff­nung im Jahr 2014 klappt. Aus ins­ge­samt fünf großflächi­gen Regio­nen mit ins­ge­samt 52 Städten wer­den die aus­gewählten Musen­tem­pel nicht nur in plaka­tiv­en Auße­nauf­nah­men gezeigt, son­dern auch die teil­weise über­aus prunk­vollen und beein­druck­enden Innenan­sicht­en.
Zu dieser bildlichen Präsen­ta­tion gesellen sich lesenswerte Texte, die zum Beispiel Näheres über die Orch­ester oder die dort einst und jet­zt täti­gen Musik­er und Kom­pon­is­ten offen­baren. Dieser „Reise­bericht“ wird vom Autor alpha­betisch nach den Musik­stan­dorten aufge­führt, also begin­nend bei Aachen mit sein­er 1200-jähri­gen Geschichte, über Berlin, Dres­den, Frank­furt oder München bis hin zu Wup­per­tal mit sein­er Ver­schmelzung aus Tra­di­tion und Mod­erne.
Eine überblick­hafte Ein­führung in die Musikgeschichte („Wie Deutsch­land ein Musik­land wurde“), eine Auflis­tung der Bauw­erke und ihre Ein­wei­hung, ein sehr umfan­gre­ich­es Per­so­n­en­reg­is­ter und ein detail­liert­er Bild­nach­weis run­den diesen beein­druck­enden Spiegel deutsch­er Musikkul­tur ab, der möglichst vie­len Kul­tur­poli­tik­ern und ihren Finanzver­wal­tern vorge­hal­ten wer­den sollte, noch bevor sie ihre manch­mal desas­trösen finanziellen Kürzungs­beschlüsse fassen.
Jür­gen Libbert