Spahn, Claudia / Bernhard Richter / Eckart Altenmüller (Hg.)

MusikerMedizin

Diagnostik, Therapie und Prävention von musikerspezifischen Erkrankungen

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schattauer, Stuttgart 2010
erschienen in: das Orchester 06/2011 , Seite 67

Ohne die Musik­lehrer an all­ge­mein bilden­den Schulen mitzurech­nen, gibt es in Deutsch­land etwa 120000 pro­fes­sionelle Musik­er. Auch wenn gesicherte Zahlen bis­lang nicht vor­liegen, so ist doch davon auszuge­hen, dass in Deutsch­land nicht annäh­ernd genau­so viele Men­schen ihr Brot und ihre But­ter als Profis­portler ver­di­enen. Dazu ste­ht in einem erhe­blichen Missver­hält­nis, dass für Profi- und Leis­tungss­portler schon seit über 70 Jahren ein hoch struk­turi­ertes medi­zinis­ches Ange­bot, die „Sportmedi­zin“, zur Ver­fü­gung ste­ht.
Die „Musik­er­medi­zin“ ist eine ver­gle­ich­sweise sehr junge Rich­tung, die auch auf­grund der großen Vielzahl unter­schiedlich­ster Prob­lem­stel­lun­gen nie die Kon­turschärfe ein­er medi­zinis­chen Zusatzbeze­ich­nung erlan­gen wird. Die in diesem Feld täti­gen Spezial­is­ten nehmen diese Her­aus­forderung an, denn der Bedarf ist erhe­blich und guter Rat für den erkrank­ten Musik­er oft teuer, zumal nur wenige pro­fes­sionelle Helfer (Ärzte, Psy­cholo­gen, Phys­io­ther­a­peuten, para­medi­zinis­che Helfer) um die spez­i­fis­chen Leis­tungsan­forderun­gen wis­sen, welche Beruf­s­musik von Kör­p­er, Geist und sozialem Umfeld abver­lan­gen.
Das von Clau­dia Spahn, Bern­hard Richter und Eckart Alten­müller nun her­aus­gegebene Kom­pendi­um Musik­er­Medi­zin schafft hier ein­drucksvoll Abhil­fe. Auf mehr als 400 Seit­en gelingt eine kom­plette Darstel­lung aller wichti­gen The­menge­bi­ete, die für Beruf­s­musik­er (und für die fast eine halbe Mil­lion musikalis­ch­er Laien, die in Fachver­bän­den organ­isiert sind) von Bedeu­tung sind. Alle Autoren sind sämtlichst anerkan­nte Experten, Ärzte, Ther­a­peuten und selb­st oft gle­ichzeit­ig ausübende Musik­er. Zugle­ich sind sie alle­samt dem Gedanken der Inter­diszi­pli­nar­ität verpflichtet, einem Grund­kennze­ichen mod­ern­er Hil­f­sange­bote, das ger­ade im Bere­ich der Musik­er­medi­zin und Musik­phys­i­olo­gie gut etabliert ist: Im Einzel­nen find­en sich nebeneinan­der Kapi­tel zu Psy­cho­so­matik, Psy­chi­a­trie, Innere Medi­zin, Neu­rolo­gie, Orthopädie, Hand­chirurgie, Augen­heilkunde, Zahn­heilkunde, Der­ma­tolo­gie, Pho­ni­a­trie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde etc. Rel­e­vante Störungs­bilder wer­den zum einen daraufhin unter­sucht, inwieweit sie selb­st durch das Musizieren mit verur­sacht sein kön­nen, zum andern wer­den Krankheit­en unter dem Aspekt besprochen, in welch­er Weise sie das Musik­machen erschw­eren oder gar verun­möglichen kön­nen.
Die Inhalte sind max­i­mal aktuell fundiert und die umfänglichen Quel­len­hin­weise erlauben es dem Inter­essierten jed­erzeit auf aktuelle Stu­di­energeb­nisse zurück­greifen zu kön­nen: „State of the Art“, wie man es sich wün­scht. Beson­ders her­vorzuheben sind die Grund­la­genkapi­tel, die sich mit Entste­hung und fol­gerichtig der Ver­hin­derung von Erkrankungs­bildern befassen, ein Ansatz, der vie­len anderen medi­zinis­chen Fach­büch­ern zu wün­schen wäre. Emp­fohlen sei dieses Buch daher allen, die sich mit Diag­nos­tik und Ther­a­pie bei Musik­treiben­den nüt­zlich machen: vom niederge­lasse­nen Hausarzt und der Psy­chother­a­peutin bis hin zu musik­er­medi­zinis­chen Spezialzen­tren. Aber auch für Laien, Betrof­fene, Ver­sicherungs­fach­leute wie auch Orch­ester­man­ag­er ist dieses Buch in sein­er klaren und gut ver­ständlich geschriebe­nen Art hochgr­a­dig empfehlenswert.
Peer Abil­gaard