Werke von Thomas Buchholz und Modest Mussorgsky

Musik aus der Bauhausstadt Dessau

Feininger-Fraktale für großes Orchester/Bilder einer Ausstellung (Orchesterfassung von Maurice Ravel) Anhaltische Philharmonie Dessau, Ltg. Markus L. Frank

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Geniun
erschienen in: das Orchester 5/2026 , Seite 77

Die Bilder einer Ausstellung sind in der Instrumentation Maurice Ravels betreffend illustrativer Entfaltung und koloristischer Differenzierung ein Orchester-Glanzstück mit mannigfaltigen Wirkungsmöglichkeiten. Insofern ist dieser von Bildern des Malers Viktor Hartmann inspirierte Zyklus Mussorgskys die ideale Ergänzung für die Weltersteinspielung der zum Bauhaus-Jubiläum 2019 bei einem Sinfoniekonzert in Dessau uraufgeführten Feininger-Fraktale für großes Orchester. Die Anhaltische Philharmonie Dessau und ihr langjähriger GMD Markus L. Frank haben dafür die idealen Voraussetzungen. Als Opern- und Konzertorchester sind sie vor allem im großen romantischen Fach verortet – mit Offenheit zur Zukunft und zurück in die Mozartzeit. Das Hauptstück dieses Albums und Auftragswerk profitiert von diesen Kompetenzen.
Gleichermaßen Respekt und Autonomie bekundet der Komponist des Hauptstücks Feininger-Fraktale, Thomas Buchholz, seinem Basismaterial. Der Name im Titel bezieht sich auf Kompositionen des vor allem als Maler bekannt gewordenen Lyonel Feininger, die während seiner Tätigkeiten an der Bauhaus-Schule von 1921 bis 1926 in Weimar und Dessau entstanden. Der Maler war von der Die Kunst der Fuge von Bach fasziniert. „Meine Bilder nähern sich immer mehr der Synthese der Fuge“, notierte Feininger 1913. Das Label Querstand veröffentlichte bereits 2007 ein Doppelalbum, auf dem sieben Fugen Feiningers auf verschiedenen Orgeln Mitteldeutschlands und Berlins gespielt wurden. Buchholz verknappte die 13 Fugen auf zwölf Abschnitte und griff in Feiningers thematische Erfindungen radikal ein.
Buchholz’ mit Souveränität modelliertes Opus ist überall dort passend, wo ein großes Orchester mit breitem und weichem Klangradius residiert. Die geteilten Violinen und das Schlagwerk für drei Spielende bewirken irisierende bis opulente Momente. Das Stück beginnt mit Ähnlichkeit zu einem langsamen Rauschen des Minimalisten Philip Glass. Buchholz eignete sich Feiningers thematisches Material zwar an, zeigte sich aber uninteressiert an der Satztechnik von dessen Fugen-Gebilden. Feininger-Fraktale enthält strahlende Episoden und plastisch entwickelte Übergänge. Diese Haltung steht in Abkehr von musikalischen Stilrichtungen wie der Neuen Sachlichkeit, mit der man das Bauhaus als ästhetische Revolution gerne assoziiert. Buchholz nutzte den Auftrag für das 40-minütige Repräsentationsstück ohne Zaudern oder Fragezeichen. Der Wechsel von Instrumentalgruppen und Kolorit begünstigt Aufmerksamkeit für die Partitur. So gerät dieser komponierte Jubiläumsbeitrag zu einem kurzweiligen Vergnügen.
Roland Dippel

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