Mozart, Wolfgang Amadeus

Mozart with Friends

Nils Mönkemeyer (Viola), Julia Fischer (Violine), Sabine Meyer (Klarinette), William Youn (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Sony Classical 88985305412
erschienen in: das Orchester 11/2016 , Seite 69

Die Vio­la spielt in Wolf­gang Amadeus Mozarts Werkverze­ich­nis keine dom­i­nante Rolle. Doch ander­er­seits ist sie in sein­er Kam­mer­musik wichtig, und Mozart selb­st spielte gerne auf der Bratsche. Nils Mönke­mey­er rückt in sein­er CD soge­nan­nte Randw­erke wie das „Kegel­statt-Trio“ KV 498, das Duo für Vio­la und Vio­line KV 423 und Stücke aus dem Lon­don­er Skizzen­buch ins Zen­trum. Zusam­men mit Julia Fis­ch­er, Sabine Mey­er und William Youn ent­deckt er dabei neue Aspek­te in Mozarts Musik.
In Salzburg hat­te Mönke­mey­er während eines Konz­erts ein­mal die Gele­gen­heit, Mozarts eigene Vio­la zu spie­len, und emp­fand es als sehr „berührend“, wie „dunkel und melan­cholisch“ sie klänge. Wed­er Bril­lanz noch die Mozart bisweilen zugeschriebene Rokoko-Heit­erkeit spie­len hier die erste Geige, son­dern ein weich­er, eher dun­kler Klang, nach innen gerichtete Ver­tiefung und häu­fig Melan­cholie.
Die vier Kam­mer­musik­er wählen nicht allzu schnelle Tem­pi, lassen sich Zeit für klan­gliche Schat­tierun­gen und eine sprechende Artiku­la­tion. Dadurch entste­ht bei den Melodie­in­stru­menten eine Art Rück­kehr zu einem roman­tis­chen Spiel, das allerd­ings nicht – wie vor dem Ein­fluss der his­torischen Auf­führung­sprax­is – großflächig und klangbes­timmt aus­gerichtet ist, son­dern detail­ge­nau in jedem Ton und Motiv ver­schieden­ste Gefühlss­chat­tierun­gen gestal­tet. William Youn besitzt einen weichen, dif­feren­zierten Anschlag, der sich nicht am Ham­merklavier, son­dern am Clavi­chord ori­en­tiert.
So gelingt eine erstaunlich berührende Ein­spielung von Mozarts „Kegel­statt-Trio“. Alles hat hier seine Bedeu­tung: die bewusst aus­gekosteten Pausen als Sym­bol für die ver­rin­nende Zeit; die vor­bei­huschen­den Läufe der Vio­la im Trio-Teil des Menuetts, die das Vorherge­hende aufzulösen scheinen; und die rhyth­mis­chen Stöße, die das Spiel unter­brechen und so die Musik gebrochen wirken lassen. Dage­gen erklingt das Duo für Vio­line und Vio­la in vir­tu­os­er Geste. Hier erre­icht die Vio­la dur­chaus konz­er­tante Bril­lanz. Julia Fis­ch­er und Nils Mönke­mey­er zeigen, dass sie nicht nur intro­vertierte Kam­mer­musik­er, son­dern eben­so extro­vertiert spie­lende Solis­ten sein kön­nen.
In der Kam­mer­musik befind­et sich der Vio­laspiel­er in der Mitte, im Zen­trum. Dadurch hat er die Möglichkeit, die Musik als Ganzes wahrzunehmen und auch seine Mit­spiel­er zu einem Gesamtk­lang zusam­men­zuführen. Nicht vorder­gründi­ge Vir­tu­osität ist für die Vio­la wichtig, vielmehr der Gesamtzusam­men­hang. Mönke­mey­er gelingt aus dieser Posi­tion der Mitte her­aus eine neue Sicht von Mozarts Musik. In sein­er Inter­pre­ta­tion geht es um Tiefe, sie lässt sich Zeit für klan­gliche Schat­tierun­gen, melodis­che Wen­dun­gen und rhyth­mis­che Pointen, die in dieser Bewuss­theit so noch nicht gehört wer­den kon­nten. Eine wun­der­bare Ein­spielung, der es gelingt, beim viel gespiel­ten Mozart einen neuen Aspekt hör­bar wer­den zu lassen.
Franzpeter Mess­mer