Wiesenberg, Menachem

Monodialogue

Fantasie für Viola solo

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2005
erschienen in: das Orchester 09/2005 , Seite 86

Die Tra­di­tion­slin­ie der Kom­pon­is­ten, die den eige­nen Namen oder den eines Wid­mungsträgers zur Grund­lage eines Werks macht­en, ist eben­so lang wie respek­te­in­flößend: Sie reicht von Josquin über Bach, Schu­mann und Liszt bis hin zu Schostakow­itsch und den Mit­gliedern der Zweit­en Wiener Schule. Der israelis­che Kom­pon­ist Men­achem Wiesen­berg hat sich von dieser illus­tren Rei­he von Vorgängern nicht abschreck­en lassen: Sein Monodi­a­logue für Vio­la solo aus dem Jahr 1999 ist mit Tabea Zim­mer­mann ein­er der renom­miertesten Vertreterin­nen ihres Fachs gewid­met und bezieht sein the­ma­tis­ches Grund­ma­te­r­i­al fast auss­chließlich aus deren Vor­na­men: „Ta ste­ht für B nach dem Kodá­ly-Sys­tem, Be entspricht B auf Deutsch und A bleibt natür­lich auch A.“ Außer­dem entspricht „die rhyth­mis­che Grundzelle des Werkes der rhyth­mis­chen Beto­nung des Vor­na­mens Tabea – unbe­tont, betont und unbe­tont“. Schließlich ist der „expres­sive Ges­tus“ der Kom­po­si­tion „größ­ten­teils vom einzi­gar­ti­gen Charak­ter Tabea Zim­mer­manns inspiriert“.

Was sich zunächst wie ein dur­chaus orig­ineller Ansatz zu ein­er sehr per­sön­lichen Hom­mage anhört, bleibt in der Aus­führung freilich weit hin­ter den eige­nen Ansprüchen zurück. Schon die Entwick­lung des Ton­ma­te­ri­als aus einem so sim­plen Aus­gangsmo­tiv wie B‑B-A ist ver­ständlicher­weise prob­lema­tisch: Um den kar­gen Ton­vor­rat wenig­stens ein biss­chen zu erweit­ern, ges­tat­tet sich Wiesen­berg immer­hin, das erste B wahlweise nach H umzuschreiben, was durch das Herun­ter­stim­men der C‑Saite um einen hal­ben Ton zusät­zlich­es Gewicht erhält. (Warum das nahe liegen­dere E nicht ver­wen­det wird, bleibt allerd­ings unklar.) Den­noch ist ein direk­ter Bezug zum „Tabea-Motiv“ am Ende nur an weni­gen Stellen der Kom­po­si­tion wirk­lich erkennbar. Umgekehrt gerät das Stück dort, wo es unverkennbar „Tabea, Tabea, Tabea“ deklamiert (etwa im Presto-Abschnitt kurz vor Schluss), unfrei­willig in die Nähe des Banalen. Die Struk­tur wirkt ins­ge­samt ziem­lich lose und lässt einen über­ge­ord­neten Zusam­men­hang, der über die bloße Rei­hung kon­trastieren­der Abschnitte hin­aus­gin­ge, zumeist vermissen.

Sein­er Adres­satin entsprechend, geizt Wiesen­berg dabei allerd­ings nicht ger­ade mit tech­nis­chen Schwierigkeit­en. Schon die Sko­r­datur erfodert einige Übung, da die herun­terges­timmte C‑Saite klin­gend notiert ist und deshalb immer einen hal­ben Ton höher gegrif­f­en wer­den muss als gewöhn­lich. Dazu kom­men vier­stim­mige Akko­rde „à la chi­tar­ra“, pizzi­ca­to begleit­ete Arco-Melo­di­en und ein Abschnitt mit höchst knif­fli­gen Dop­pel­griff-Fla­geo­letts. Die Ten­denz, in aus­gedehn­ten zweis­tim­mi­gen Pas­sagen mit sich selb­st in Dia­log zu treten, lässt den Sinn des Titels erah­nen und find­et ihren Höhep­unkt gegen Ende, wo der Inter­pret in ein­er Art Abge­sang als Gegen­stimme zusät­zlich Vokalisen zu sin­gen hat. Wer über­prüfen möchte, ob das Ergeb­nis den Aufwand recht­fer­tigt, dem sei die Web­site des Kom­pon­is­ten emp­fohlen: Unter www.mwm.co.il find­et sich eine kom­plette Auf­nahme des Stücks – natür­lich mit Tabea Zimmermann.

Joachim Schwarz