Mozart, Wolfgang Amadeus

Messe C‑Dur KV 317 “Krönungsmesse” / Motette Exultate, jubilate KV 165 / Vesperae solemnis de confessare KV 339 / Ave verum corpus KV 618

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Coviello Classics COV 30607
erschienen in: das Orchester 02/2007 , Seite 91

Was bleibt im Rück­blick auf das Mozart-Jahr vom Wust an kom­merziellen Gedenkgaben und selb­stau­fopfer­n­den Pro­duk­tio­nen wirk­lich­er Musiken­thu­si­as­ten? Vielle­icht die Ein­sicht, dass es zum Beispiel in Aachen einen tüchti­gen Gen­eral­musikdi­rek­tor gibt, der mit dem Chor der „Vocapel­la“, namhaften Solis­ten und dem städtis­chen Orch­ester zwei Konz­erte im Jubel­jahr gab, deren Mitschnitt nun auf CD nachge­hört wer­den kann: Aufge­führt wur­den die berühmte „Krö­nungsmesse“ KV 317, die Motette Jubi­late, exul­tate mit der fabel­haft leicht tönen­den Sopranistin Dorothee Mields, die Ves­per­ae solem­nis de con­fes­sare KV 339 sowie das Ave verum cor­pus KV 618.
Mar­cus Bosch, der die „Vocapel­la“ 1990 grün­dete und seit 2002 als GMD in Aachen wirkt, bemüht sich um einen schlanken Klang, deut­liche Aussprache bei den Sängern und lebendi­ge Artiku­la­tion bei den Stre­ich­ern. Das klingt nach wenig und ist doch so viel, wenn es kon­se­quent und beherzt ange­gan­gen wird. Das Maß an vor­bere­i­t­en­der und kon­tinuier­lich­er Arbeit, die dahin­ter steckt, wis­sen wahrschein­lich nur diejeni­gen ganz einzuschätzen, die als Musik­er solche selb­st erfahren durften; die anderen ahnen vielle­icht, dass es seine Zeit dauern mag, ein tra­di­tion­sre­ich­es Orch­ester – Fritz Busch, Her­bert von Kara­jan und Wolf­gang Sawal­lisch standen einst als GMD am Aach­en­er Pult – vom früheren roman­tis­chen Klang zumin­d­est zeitweise in die Nähe eines mod­er­nen Mozart-Klangs zu bewe­gen.
Dabei tut Mar­cus Bosch den aufge­führten Werken keine Gewalt an im Sinne radikaler Neuer­er der so genan­nten his­torischen Auf­führung­sprax­is, ver­sucht aber, dort gewonnene Erken­nt­nisse vor allem in der Klangge­bung und im Tem­po sin­nvoll auf einen tra­di­tionellen Appa­rat zu über­tra­gen. Die flex­i­blen Stre­ich­er sind dabei am auf­fal­l­end­sten, die Bläs­er set­zen ihre Akzente behut­sam und die Solis­ten passen sich dem Angestrebten an.
Die Mez­zoso­pranistin Mélanie Forg­eron, der Tenor Christoph Wit­mann und der Bass Mar­tin Bern­er kom­plet­tieren das Vokalquar­tett dieser Auf­nah­men solide, der Chor singt durch­weg sauber und engagiert, das Orch­ester spielt ins­ge­samt rou­tiniert und – etwa im „Lau­date dominum“ der Ves­per­ae – ger­adezu liebevoll beglei­t­end. Also let­ztlich doch vol­lkommen­er Durch­schnitt? Wenn der musikalis­che Stan­dard deutsch­er Städte heute auf solchem Niveau liegt, muss man sich wegen des „Durch­schnitts“ nicht fürcht­en. Insofern doku­men­tiert diese CD ein­drucksvoll den Stand der Dinge außer­halb der großen Musikzen­tren im Mozart-Jahr 2006.
Matthias Roth