Wolfgang Amadeus Mozart
Marsch KV 445/Divertimento KV 334 für zwei Hörner und Streicher
hg. von Felix Loy, Partitur/Stimmen, Urtextausgabe
Die Entstehungsgeschichte des Mozart-Divertimentos KV 334 beruht meistenteils auf Vermutungen. Ein Autograf gibt es nicht – schon Mozart und sein Vater haben die Noten vermisst. Der Sohn war gerade nach Wien übersiedelt und bat den Vater in Salzburg, ihm diese zu schicken, aber sie waren nicht mehr auffindbar. Partitur oder Stimmen der „Musique vom Robinig“, wie sie Sohn Mozart auch betitelt – vermutlich hatte er sie zum Abschluss der Jura-Studien des Freundes im Sommer 1779 oder 1780 geschrieben –, blieben jedenfalls verschwunden, und auch „der Eck“ (Brief vom 8. Mai 1782) hatte sie wohl nicht mehr oder rückte sie nicht heraus.
Dass es sich bei diesen unbekannt verbliebenen Noten tatsächlich um das heute als Divertimento in D-Dur, KV 334, bekannte Werk handelte, ist letztlich nicht belegbar, aber doch wahrscheinlich. Allerdings ist das Autograf eines Marsches in derselben Tonart und Besetzung für zwei Hörner und Streicher (KV 445) erhalten, der zur gleichen Zeit entstand und als Einleitungs- und Schlussstück für das bereits sechssätzige Divertimento gedient haben könnte. Das war zumindest gängige Praxis der Zeit, auch wenn der Marsch vermutlich für vielerlei andere Zwecke genutzt wurde.
Als Hauptquellen für die Edition dienen heute diese Marsch-Handschrift und zwei posthume Drucke, die 1795 und 1798 (wohl nach einer frühen Abschrift eines nicht näher benannten „Lieblingsschülers“ Mozarts) erschienen sind; die erste Veröffentlichung enthielt allerdings nur vier der sechs Sätze und verzichtete auf das erste Menuett und das Adagio. Doch schon in diesen beiden Editionen gibt es erhebliche Abweichungen, die vor allem die Artikulation und Dynamik betreffen – also die Hinweise zur gewünschten Ausführung der Noten, auf die man heute besonderen Wert legt.
Die neue Henle-Urtextausgabe von Stimmen und Partitur – die Besetzungsstärke ist sowohl solistisch als auch als Kammerorchester denkbar und in den Varianten durchaus zeittypisch – bemüht sich vor allem um Vereinheitlichung in der Zeichengebung. Strittige Stellen werden dreisprachig kommentiert, vorgenommene Änderungen oder Ergänzungen angezeigt. Die Stimmen sind für die Konzertsituation eingerichtet, angenehm groß gedruckt und nehmen (vor allem bei der recht virtuosen Solostimme der Violine) mit ausklappbaren Seiten Rücksicht auf praxisnahe Blätter-Stellen.
Matthias Roth


