Kuhlau, Friedrich

Lulu / Trylleharpen

Romantische Oper in drei Aufzügen, Klavierauszug vom Komponisten / Singspiel in zwei Akten, Klavierauszug von Gorm Busk

Rubrik: Noten
Verlag/Label: International Friedrich Kuhlau Society
erschienen in: das Orchester 03/2007 , Seite 86

Wohl jed­er Musik­er ken­nt min­destens eine sein­er zahllosen Sonati­nen aus dem Klavierun­ter­richt, und die Flötis­ten ver­danken ihm manch reizen­des Stück. Dass aber Friedrich Kuh­lau (1786–1832) in Däne­mark noch heute als ein­er der großen Nation­alkom­pon­is­ten gilt, ist hierzu­lande kaum bekan­nt. Denn trotz ver­schieden­er Reisen (auch nach Wien) blieb Kopen­hagen sein einziger Wirkung­sort – hier kon­nte der im nieder­säch­sis­chen Uelzen geborene Kom­pon­ist 1828 mit sein­er Musik zum Schaus­piel Elver­høj (Elfen­hügel) seinen größten und nach­haltig­sten Erfolg feiern (das Werk wurde bis heute allein in der dänis­chen Metro­pole über 1000 Mal aufge­führt). Gle­ich­wohl hat es das Schick­sal nicht gut mit Kuh­lau gemeint. Bere­its als Kind ver­lor er sein recht­es Augen­licht, 1831 bran­nte sein Haus ab (und mit diesem gin­gen zahlre­iche Manuskripte ver­loren); schließlich über­schat­teten Geld­sor­gen, Alko­hol und Krankheit Kuh­laus let­zte Jahre (er starb an Tuberku­lose).
So ist es wieder ein­mal dem per­sön­lichen Engage­ment einiger weniger Wis­senschaftler, Musik­er und Enthu­si­as­ten zu ver­danken, dass ein ganzes Œuvre seit eini­gen Jahren wieder zu neuem Leben erweckt wird: bei Kuh­lau vor allem auf CD und nur gele­gentlich im Konz­ert­saal oder auf der Bühne, nun aber auch in Form von Neuaus­gaben einzel­ner Kom­po­si­tio­nen. Hin­sichtlich der Kam­mer­musik sind seine Klavierquar­tette und das sich auf Beethoven beziehende Stre­ichquar­tett a‑Moll als wahre Schätze zu beze­ich­nen, Kuh­laus eigentlich­es Hauptwerk stellt indes die roman­tis­che Oper Lulu (1824) dar, deren Libret­to (wie das zu Mozarts Zauber­flöte) auf Christoph Mar­tin Wielands Dschin­nistan oder auser­lesene Feen- und Geis­ter­märchen zurück­ge­ht.
Lei­der ist die 1988 auf CD veröf­fentlichte Pro­duk­tion des Dänis­chen Rund­funks unter Michael Schøn­wandt schon lange ver­grif­f­en, die einen her­vor­ra­gen­den Ein­druck von Kuh­laus orig­ineller und wirkungsvoller Par­ti­tur ver­mit­telt – eine Musik, deren eigen­er Ton­fall zwis­chen Mozart, Weber, Rossi­ni und dänisch-ori­en­tal­is­chen Exo­tis­men ver­mit­telt. Umso wichtiger ist nun der von der Inter­na­tionalen Friedrich Kuh­lau Soci­ety im Neusatz veröf­fentlichte und leicht­gängige Klavier­auszug des Kom­pon­is­ten selb­st – nicht nur mit dem orig­i­nalen dänis­chen Text und der 1825 gedruck­ten deutschen Über­set­zung, son­dern auch mit japanis­ch­er (!) Unter­legung (sie ent­stand in Zusam­men­hang mit ein­er szenis­chen Auf­führung in Tokyo 2005). Diesem Druck ste­ht ein von Gorm Busk erstell­ter, weitaus voll­grif­figer­er Klavier­auszug zu Trylle­harp­en (Die Zauber­harfe) zur Seite, ein Singspiel von 1817, das wegen ein­er pub­lizis­tis­chen Intrige nach nur drei Auf­führun­gen in der Versenkung ver­schwand.
Die sauber geset­zten und hergestell­ten Aus­gaben, die durch ein mehrsprachiges Vor­wort, Quel­len­nach­weise und einen knap­pen Kri­tis­chen Bericht ergänzt wer­den, bilden hof­fentlich Anreiz für eine neuer­liche Beschäf­ti­gung mit Kuh­lau und seinem Werk.
Michael Kube