Gerlach, Alexandra

Ludwig Güttler

Mit Musik Berge versetzen

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Edel, Hamburg 2011
erschienen in: das Orchester 05/2012 , Seite 69

Wer in seinem Leben viel erlebt und geleis­tet hat, gle­ich­sam eine Per­son des öffentlichen Inter­ess­es ist, der darf unge­niert eine Biografie veröf­fentlichen. So auch der Trompe­ten­vir­tu­ose Lud­wig Güt­tler, der im Jahr 2012 seinen 69. Geburt­stag feiern wird. Geschrieben hat die gle­icher­maßen hin­sichtlich ihrer musikalis­chen wie auch zeit­geschichtlichen Hin­ter­gründe fabel­hafte Biografie über Leben und Leis­tun­gen des ehe­ma­li­gen Pro­fes­sors für Trompete an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dres­den Alexan­dra Ger­lach, Lan­desko­r­re­spon­dentin für Sach­sen bei Deutsch­landra­dio.
In ins­ge­samt fünf Kapiteln erfährt man Details über Güt­tlers Kind­heit und Jugend, den Beginn sein­er Musik­er­lauf­bahn in der DDR, die schwierige, aber den­noch glück­liche Zeit im Orch­ester von Halle an der Saale und bei der Dres­d­ner Phil­har­monie, Konz­ertreisen ins „nicht­sozial­is­tis­che Aus­land“, aber auch etwas über die Schat­ten­seit­en des Lebens in der DDR für einen Men­schen, der Musik, Kirche, aber auch Ger­adlin­igkeit und Ehrlichkeit zutief­st Respekt zollt. Zeitweise lesen sich die mit vie­len Orig­i­nal­briefen und Fotos angere­icherten Kapi­tel wie ein Kri­mi und man ist gefes­selt von diesem Men­schen, sein­er Musik und sein­er Lebens­geschichte. Sauber recher­chiert und gle­icher­maßen inter­es­sant für „Vor- und Nach­wen­dekinder“ ist das Kapi­tel zu Konz­erten im West­en, einem „nor­malen“ Leben im Visi­er der Staatssicher­heit und schließlich dem Ende der DDR. Allen widri­gen Umstän­den zum Trotz scheint Lud­wig Güt­tler sein Leben stets genossen zu haben. Er ist ein Musik­er und Musik­forsch­er mit Herz, was
man sowohl seinen Konz­erten als auch seinen Ton­träger­auf­nah­men anhört, welche sich bis heute mil­lio­nen­fach verkauft haben.
Natür­lich ist es legit­im anzumerken, dass Güt­tler heute nicht mehr der einzige auf hohem Niveau konz­ertierende Trompe­ten-Solist ist. Güt­tler selb­st erfreut sich sicher­lich an der „näch­sten Gen­er­a­tion“ der deutschen Trompe­ten-Solis­ten wie Rein­hold Friedrich, Wolf­gang Bauer oder Matthias Höfs, um nur einige Beispiele zu nen­nen. Güt­tlers Stil ist und bleibt den­noch so unver­wech­sel­bar wie seine Lebens­geschichte.
Mit seinem über­durch­schnit­tlichen Engage­ment für den Wieder­auf­bau der Frauenkirche in Dres­den, welchem ein knapp 50-seit­iges Kapi­tel dieser Biografie Rech­nung trägt, hat Güt­tler sich ein Denkmal geset­zt – aber auch mit diesem Buch, für welch­es er viele Stun­den mit Alexan­dra Ger­lach gesprochen hat. Preise dein Glücke, geseg­netes Sach­sen (BWV 215), dass du so einen Aus­nah­memusik­er in deinen Rei­hen hast. Mit Musik Berge ver­set­zen ist eine von der ersten bis zur let­zen Seite über­aus span­nende Lek­türe! Schnup­pern Sie rein in diese Bergluft!
Kristin Thiele­mann