Live. Percussion Project Rostock

Konzertmitschnitt aus dem Katharinensaal der Hochschule für Musik und Theater Rostock, Bonus: Percussion Project in Brasilien

Rubrik: DVDs
Verlag/Label: Looks 2005
erschienen in: das Orchester 09/2006 , Seite 95

Es war sich­er an der Zeit, dass sich ein Perkus­sions-Ensem­ble auf den Weg machte, um eine Mitschnitt-DVD vorzustellen. Denn die visuellen Aspek­te eines Konz­erts haben bei der Perkus­sion immer einen zusät­zlichen Stel­len­wert. Sie machen bei entsprechen­den Inter­pre­ta­tio­nen sowohl Musikalität, instru­men­tale Tech­nik als auch die Vital­ität und das Engage­ment der Spiel­er sicht­bar und über­schre­it­en so oft die Kon­ven­tio­nen klas­sis­ch­er Konz­erte. Das Zusam­men­wirken von Spiel, Ton, Bild und Real­ität kann zu einem Gesamtkunst­werk wer­den, wenn Ein­stel­lun­gen und Kam­er­afahrten die Aspek­te der Kom­po­si­tio­nen, aber auch die für die Perkus­sion typ­is­chen Bewe­gungsabläufe zusät­zlich ein­fan­gen und verdeut­lichen.
Unter Berück­sich­ti­gung dieser spez­i­fis­chen Eige­narten ist die vom Per­cus­sion Project Ros­tock vorgelegte DVD ein gelun­ge­nes Beispiel für die Möglichkeit­en eines Livemitschnitts. Die Grün­dungsmit­glieder Wolf­gang Mor­b­itzer, Hol­ger Kirch­hoff, Frank Petrak, aber auch die Gäste Edith Salmen, Andreas Haase und Frank Bauer zeich­nen sich aus durch die Dynamik ihres Spiels, durch die abgestufte Pro­duk­tion der Klänge, und es gelingt ihnen fast immer, die wech­sel­haften Stim­mungen der unter­schiedlich­sten Par­ti­turen einz­u­fan­gen. Die weni­gen Schwankun­gen in der Homogen­ität des Ensem­bles wer­den überdeckt und einge­fan­gen von der Spiel­freude und dem Spiel­witz der Gruppe.
Mit dem ein­gangs gespiel­ten Säbeltanz von Aram Chatschatur­jan wollte das Ensem­ble sich­er die zahlre­ich erschiene­nen Konz­ertbe­such­er im Kathari­nen­saal der Musikhochschule in Ros­tock ein­stim­men, allerd­ings ist die Bear­beitung eines so bekan­nten Gassen­hauers doch recht prob­lema­tisch und vom Orig­i­nal meilen­weit ent­fer­nt.
Eine exzel­lente Klangstudie liefert dage­gen Edith Salmen mit der inti­men Inter­pre­ta­tion von Spi­der Walk von Mar­ta Ptaszyn­s­ka. Die Solistin, erfahren mit Auf­führung­sprak­tiken der exper­i­mentellen Musik, verbindet die kleinen ryhth­mis­chen Pat­terns über­legt zu durchgängi­gen Struk­turen. Wolf­gang Mor­b­itzer, Phil­har­moniker und Drum­mer, inter­pretiert Black Page von Frank Zap­pa voller Spiel­freude, hier und da klan­glich aufges­pal­ten, aber immer zise­liert. Mit seinem Part­ner Hol­ger Kirch­hoff kommt er zu einem von tänz­erisch­er Leichtigkeit geprägtem Zwiege­spräch. Mitch Markovich, in den USA mehrfach preis­gekrön­ter Rudi­men­tal-Solist, ver­sprüht in Team­work ein Feuer­w­erk rhyth­mis­ch­er Ein­fälle, die vom Quar­tett des Ensem­ble vir­tu­os und humor­voll gemeis­tert wer­den. Faraj Karaev, dessen Kom­po­si­tio­nen ver­schiede­nen Tra­di­tio­nen ver­bun­den sind, lässt vier Spiel­er in sein­er Stafette in melis­ma­tis­ch­er Prax­is, wie in der ori­en­tal­is­chen Musik üblich, ein Marim­ba mit ein­fachen Ton­fol­gen und fast chore­ografis­chen Schrit­tfol­gen „umkreisen“.
Höhep­unkt des Konz­erts ist sich­er Hiéro­phonie von Yoshi­hisa Taira, eine Kom­po­si­tion, die in ihrer Dichte und Lyrik an die tra­di­tionellen japanis­chen The­ater Kabuzi und Nô erin­nert. Hier zeigt sich das ganze musikalis­che Reper­toire des Ensem­bles: Die Musik­er haben die Trans­parenz dieses Werks erfasst und inter­pretiert und sie haben in den Impro­vi­sa­tion­steilen Mut, die beson­deren klan­glichen und dynamis­chen Eigen­schaften der Instru­mente auszus­pie­len.
Als „Schmankerl“ sozusagen ver­ab­schiedet sich das „Stam­mquar­tett“ mit Sam­ba Life von Eck­hard Kopet­z­ki, einem witzig-iro­nis­chen Tanz, der nicht nur den Musik­ern, son­dern auch dem Pub­likum großen Spaß macht. Die DVD wird abgerun­det durch einen Bonus-Track vom Besuch und einem Konz­ert der Musik­er in Belem/Brasilien. Hier zeigt sich ein­mal mehr im Konz­ert und auf den Straßen die viel beschriebene Lebens­freude der Brasil­ian­er.
Siegfried Fink