Domenico Cimarosa

L’Italiana in Londra

Angela Vallone (Sopran), Bianca Tognocchi (Sopran), Theo Lebow (Tenor), Iurii Samoilov (Bariton), Gordon Bintner (Bassbariton), Frankfurter Opern- und Museumsorchester, Ltg. Leo Hussain

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Naxos
erschienen in: das Orchester 6/2026 , Seite 74

Live aus der Oper Frankfurt kommt ein im Oktober und November 2021 entstandener Audio-Mitschnitt von Domenico Cimarosas selten gespielter Oper L’Italiana in Londra. Hier haben wir es mit einer ausgemachten Rarität zu tun und es ist dem Label Naxos hoher Dank dafür auszusprechen, dass es diese nun auf Tonträger veröffentlicht hat. Diese CD ist in hohem Maße geeignet, die Erinnerung an einen der größten Komponisten des 18. Jahrhunderts, der einem breiten Publikum heute nur noch durch seine Oper Matrimonio segreto bekannt ist, wiederzuerwecken. Cimarosa war einer der letzten großen Vertreter der Neapolitanischen Schule. Seine Werke erfreuten sich beim Publikum durchweg hoher Beliebtheit und erschienen demzufolge häufig auf den Spielplänen der Opernhäuser. Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um eine von acht komischen Opern, sogenannten Intermezzi, die Cimarosa in der Zeit von 1777 bis 1784 für das Teatro Valle komponierte. Die Uraufführung der L’Italiana in Londra erfolgte am 1778 und war ein voller Erfolg. Dieser Fakt ist anhand der vorliegenden CD durchaus nachzuvollziehen. Die Musik ist leicht, flüssig und ungemein spritzig. An zahlreichen Stellen wird zudem der Einfluss spürbar, den diese Oper auf Rossini und sogar Mozart hatte. Darüber hinaus weist sie einen ungemein heiteren Charakter auf. Das enorme Verständnis des Komponisten für komische Situationen und Charaktere, die er musikalisch hervorragend auszuloten versteht, wird offensichtlich. Das humoristische Element wird hier ganz groß geschrieben. Und wenn die Musik dann noch so lebendig, tempo- und facettenreich sowie ungemein perlend und aufgedreht dargeboten wird wie von Dirigent Leo Hussain – er begleitet auch die Rezitative am Fortepiano – und dem prächtig disponierten Frankfurter Opern- und Museumsorchester, ist das Glück vollkommen.
Die sängerischen Leistungen bewegen sich fast durchweg auf hohem Niveau. Es ist schon bemerkenswert, wie sich die meisten der hier versammelten Vokalsolist:innen mit ihren dankbaren Partien voll und ganz zu identifizieren vermögen. Der Spaß, den ihnen ihre Aufgaben bereitet, wird hörbar. In der Rolle der Livia gefällt mit gut durchgebildetem, beweglichem und höhensicherem Sopran Angela Vallone. Übertroffen wird sie von der mit einer wunderbaren italienischen Technik, farbenreich und recht intensiv singenden Bianca Tognocchi als Madama Brillante. Einen ebenfalls trefflich fokussierten und ebenmäßig dahinfließenden Bariton bringt Iurii Samoilov für den Milord Arespingh mit. Stimmlich sehr wendig und aufgedreht sowie voll und rund klingend gibt Gordon Bintner den Don Polidoro. An das hohe Niveau seiner Kolleg:innen vermag der flach und bar jeder soliden Verankerung seines Tenors im Körper intonierende Theo Lebow nicht anzuknüpfen.
Ludwig Steinbach

 

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