Redel, Martin Christoph

Light op. 57

Fantasie für Flöte und Schlagzeug, Spielpartitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: edition gravis, Bad Schwalbach 2005
erschienen in: das Orchester 11/2006 , Seite 91

Mit der Beset­zung von Flöte und Schlagzeug führt Mar­tin Christoph Redel in Light op. 57 zwei Instru­mente zusam­men, die seine Biografie prä­gen. Ein­er­seits ist die Perkus­sion das musikalis­che Handw­erk und Aus­drucksmit­tel, mit dem er seine pro­fes­sionelle Lauf­bahn begrün­dete. Ander­er­seits gehörte sein Vater Kurt zur flötis­tis­chen Promi­nenz. Ger­ade ein­mal zwei Monate investierte Redel in die Kom­po­si­tion sein­er Fan­tasie Light und erhielt ihr den Charak­ter des Leicht­en, Impro­visatorischen. Sehr behut­sam lotet er die klan­glichen Poten­ziale der Instru­mente aus.
San­ft­mütig startet das Vibra­fon, über dessen schweben­den und dünn geset­zten Tönen die Flöte spielerisch, aber unauf­dringlich ihre ersten Melo­di­en legt. Fünf mit „Aggres­si­vo“ beze­ich­nete Tak­te been­den den träumerischen Beginn. Und in diesen Tak­ten deutet sich an, wonach Redel im Ver­lauf des Stücks immer wieder und immer stärk­er strebt: das Ver­tauschen der Rollen der bei­den Stim­men. Hier sind es noch fünf Kuh­glock­en, die par­al­lel zu spitzen Flöten­stac­cati laufen. Später wird sich die Flöte mit ver­schieden­sten mod­er­nen Spiel­tech­niken zum Geräuscherzeuger wan­deln. Ihre Lin­ien sind eher Vehikel für
Sounds als werkbes­tim­mende Melo­di­en.
Durch den Ein­satz definiert ges­timmter Schla­gin­stru­mente wie dem Vibra­fon oder den antiken Zim­beln erhält die Schlagzeugstimme har­monie- und melodiebilden­den Charak­ter. Das dreht sich auch wieder zurück und mit dieser Tech­nik schafft Redel Takt für Takt immer aufs Neue faszinierende Klang­bilder. So zum Beispiel ab Takt 78, wenn sich zur rhyth­mis­chen Verdich­tung des Kuh­glock­en­mo­tivs die Flöte wild klap­pernd auf­schwingt, ehe ein har­ter Beck­en­schlag den Abschnitt been­det. Fla­geo­letts der Flöte schwirren leise über den zarten Pings der antiken Zim­beln. Nur sel­ten möchte Redel Unruhe stiften. Wen­ngle­ich die Verän­derun­gen in Light op. 57 zügig voran­schre­it­en, ist grobe Hek­tik nicht zu vernehmen. Selb­st die flinke, sich bis zum dreifachen Forte dynamisch auf­schwin­gende Schlussführung schafft eher den Ein­druck von Vorüber­fliegen­dem.
Flötis­ten, die sich an dieses Werk her­an­wa­gen, müssen offen sein für klan­gliche Exper­i­mente. Selb­st in schwieri­gen geräuschhaften Spiel­tech­niken ist Flex­i­bil­ität erforder­lich, um das Max­i­mum an Sound­vielfalt zu pro­duzieren. In dieser Hin­sicht sind Schlagzeuger tra­di­tionell meist bess­er geschult. Aber trotz der vie­len unter­schiedlich harten Schlag­w­erkzeuge erfordert Light auch vom Perkus­sion­is­ten Sen­si­bil­ität in den Anschlag­stech­niken und zudem die Bere­itschaft, auf allen dynamis­chen Niveaus mit der an und für sich leis­eren Flöte ver­schmelzen zu wollen. Mit diesen Grund­vo­raus­set­zun­gen ist die Basis für eine attrak­tive, span­nungs­ge­ladene Auf­führung eines faszinieren­den Duetts gelegt.
Tim Frieser