Rebel, Jean-Féry

Les Eléments

Simphonie Nouvelle

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Edition Walhall, Magdeburg 2005
erschienen in: das Orchester 12/2006 , Seite 86

Jean-Féry Rebel (1666–1747) war in Paris Geiger, Cem­bal­ist, Kom­pon­ist, „Tak­tschläger“ (später nan­nte man diese Tätigkeit „Diri­gent“) und Leit­er der „Con­certs spir­ituels“. Seine let­zte Kom­po­si­tion Les Elé­ments aus dem Jahr 1737 ist nun in der Edi­tion Wal­hall erschienen. Rebels Sym­phonie zeich­net sich durch eine erstaunliche Moder­nität aus. So begin­nt das „Chaos“ am Anfang mit ein­er Art Clus­ter. Bei der Urauf­führung wurde die Sym­phonie als Bal­lett aufge­führt. Die einzel­nen Sätze unter­schei­den sich in ihrer Beset­zung: zum Stre­i­chorch­ester treten je nach musikalis­chem Charak­ter die Flöte, die Oboe, Jagdhorn und Trompete hinzu. Im Inneren des Werks sor­gen kam­mer­musikalisch beset­zte Sätze (so „Ram­age“ für Vio­line 1, Flöte und Vio­line 2, oder „Loure“ für Fagott oder Jagdhorn, Flöte und Bas­so con­tin­uo) für eine Vielfalt von Klang­far­ben.
Das Beson­dere an dieser Aus­gabe ist, dass der Neuaus­gabe durch Ste­fan Fuchs ein Fak­sim­i­le des Erst­drucks fol­gt. Dadurch erhält man die Möglichkeit zu kon­trol­lieren, was vom Her­aus­ge­ber stammt. Somit kann man sich ein eigenes Bild machen, ohne müh­sam eine Bib­lio­thek auf­suchen zu müssen. Dies ist eine große Arbeit­ser­le­ichterung und regt an, sich mit den Orig­i­nal­noten zu beschäfti­gen und vielle­icht sog­ar aus ihnen zu musizieren.
Denn über das Philol­o­gis­che hin­aus ver­mit­telt die alte Noten­hand­schrift viel mehr die Bedeu­tung der Kom­po­si­tion und das Gewicht sowie den Charak­ter der einzel­nen Note, als es das mod­erne Druck­bild ver­mag. Dies ist auch eine Hil­fe, um Fra­gen des Tem­pos und des Affek­ts zu erschließen. Zudem macht dieses Noten­bild neugierig, sich mit der his­torischen Auf­führung­sprax­is zu beschäfti­gen; völ­lig unab­hängig davon, wie – ob mit mod­er­nen oder alten Instru­menten – das Werk dann gespielt wird.
Hin­weise zur Auf­führung­sprax­is wer­den im ken­nt­nis­re­ichen Vor­wort von Ste­fan Fuchs bere­its gegeben. Hier erfährt der Inter­essierte alles Wichtige über die Beset­zungsmöglichkeit­en, über die ver­schiede­nen Fas­sun­gen für Orch­ester, Kam­merensem­ble und Cem­ba­lo solo. Fuchs gibt auch genau an, wie er die Aus­gabe aus der Par­ti­tur des Erst­drucks und dem später ent­stande­nen hand­schriftlichen Stimm­satz erschloss. So bietet diese Aus­gabe eine ger­adezu beispiel­hafte Arbeits­grund­lage. Eigentlich müssten alle Aus­gaben älter­er Musik so aus­ges­tat­tet sein!
Rebels Sym­phonie ist im Übri­gen eine lohnende Lit­er­atur. Franzö­sis­che Musik der Barockzeit wird bei uns noch immer allzu sel­ten gespielt. Dabei kann hier gehört wer­den, wie lange vor Haydn das Malerische, die Klang­farbe und das Poet­is­che für die Instru­men­tal­musik ent­deckt wur­den.
Franzpeter Messmer