Charles Tournemires

La Légende de Tristan

An De Ridder (Sopran), Markus Francke (Tenor), Dae-Hee Shin (Bariton), Joshua Spink (Tenor), Opern- & Extrachor des Theaters Ulm, Philharmonisches Orchester der Stadt Ulm, Ltg. Felix Bender

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Luji Music
erschienen in: das Orchester 1/2026 , Seite 73

Live von der Bühne des Theaters Ulm kommt der Mitschnitt von Charles Tournemires (1870–1939) Oper La Légende de Tristan. Der CD zugrunde liegen Aufnahmen der Generalprobe und der Uraufführung vom 15. Dezember 2022. Es ist dem Theater Ulm großer Dank dafür auszusprechen, dass es dieses hochkarätige Werk nun einem interessierten Publikum auf CD zugänglich gemacht hat. Der Eindruck ist enorm.
Wenn in der Opernwelt der Name „Tristan“ fällt, denkt man natürlich erst an den Wagner’schen Tristan. Sicher zu Recht. Indes hat auch die französische Fassung des Tristan des Orgelvirtuosen und Symphonikers Tournemire seine Meriten. Der Komponist hat seine Oper bereits im Jahre 1926 vollendet. Bis zur Ulmer Uraufführung sollten aber noch 96 Jahre ins Land ziehen. Dem Ulmer Intendanten Kay Metzger, der bei der Produktion auch Regie führte, ist es zu verdanken, dass Tournemires La Légende de Tristan endlich erfolgreich aus der Taufe gehoben wurde. Und diese CD ist sicher gut geeignet, das Stück weiterhin bekannt zu machen.
Hier haben wir es mit einer recht eingängigen, der Tonalität verpflichteten, spätromantischen Musik zu tun. Melodiöse und rezitativische Passagen wechseln sich rege ab. Der Sprachduktus wird dabei immer gewahrt. Das Orchester gefällt sich im harmonischen Zusammenspiel, indes kommt auch Solo-Instrumenten starkes Gewicht zu – da geht es schon manchmal etwas kammermusikalisch zu. Einen gewaltigen Eindruck hinterlassen nicht zuletzt die fünf Zwischenspiele, die mächtig unter die Haut gehen. Insgesamt ist es Tournemire nicht daran gelegen, eine Oper in der Wagner-Nachfolge zu schreiben bzw. einen Debussy-Charakter heraufzubeschwören. Seine Klangsprache ist vielmehr ganz eigener Art. Perfekt kreiert er hier einen neuen Stil, der von GMD Felix Bender einfach brillant vor den Ohren des Zuhörers ausgebreitet wird. Zusammen mit dem trefflich disponierten Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm erzeugt er einen rauschhaften, präzisen und abwechslungsreichen Klangteppich, der sich zudem durch eine gute Transparenz auszeichnet.
Markus Francke ist ein intensiv singender Tristan. Leider geht er seinen Part etwas zu deklamatorisch an, unter Ausklammerung einer soliden italienischen Gesangstechnik. Einen voll und rund klingenden, jugendlich-dramatischen Sopran bringt An De Ridder für die Rolle der Iseut mit. Wunderbares, sonores Bass-Material zeichnet den Roi Marc von Dae-Hee Shin aus. Einen profunden, kräftigen Mezzosopran nennt I-Chiao Shih als Brangien ihr Eigen. Sehr maskig singt Joshua Spink den intriganten Zwerg Frocin. Auch der Opern- und Extrachor des Theaters Ulm überzeugt.
Ludwig Steinbach

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