Eberhardt, Dorothee

Kosmos X

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Antes Edition BM319290
erschienen in: das Orchester 10/2014 , Seite 78

Die vor­liegende CD präsen­tiert Kam­mer­musik der in München leben­den Kom­pon­istin Dorothee Eber­hardt. Die 1952 in Mem­min­gen geborene Autorin studierte zunächst Ori­en­tal­is­tik, Philoso­phie und griechis­che Philolo­gie in Würzburg und Tübin­gen. Nach ihrer Pro­mo­tion 1979 über­siedelte sie nach Eng­land, wo sie auf der Basis der in ihrer Jugend erwor­be­nen musikalis­chen Ken­nt­nisse ein Musik­studi­um mit dem Schw­er­punkt Kom­po­si­tion absolvierte. Bis zu ihrer Rück­kehr nach Deutsch­land 1992 wirk­te sie in Lon­don als Kom­pon­istin und Musikpäd­a­gogin.
Ihr Werkverze­ich­nis umfasst nach eige­nen Angaben im Bei­heft zur CD bish­er ca. 50 Kom­po­si­tio­nen. Die hier vorgestell­ten Stücke ent­standen mit Aus­nahme eines Satzes alle zwis­chen 2009 und 2013. Es han­delt sich dabei um Kam­mer­musik für zwei bzw. drei Instru­mente, die von Dorothee Keller, Ste­fan Schütz, Gabriele Sei­del-Hell, Elis­a­beth Weinzierl, Philipp von Mor­gen und Eva Schiefer­stein 2013 einge­spielt wur­den. Die Beset­zun­gen der einzel­nen Stücke chang­ieren zwis­chen Violine/Klavier, Violoncello/Klavier, Flöte/Klavier, Trio Flöte/Violoncello /Klavier sowie Klavier­trio.
Im CD-Book­let schreibt die Kom­pon­istin zu diesen Werken: „In ihren früheren Werken hat­te Dorothee Eber­hardt addi­tive Rhyth­men ver­wen­det […] Jet­zt treten an die Stelle dieser addi­tiv­en Rhyth­men Osti­nati, die das rhyth­mis­che Gerüst für ganze Sätze oder große Abschnitte daraus bilden.“ Wenige Zeilen später kon­sta­tiert die Autorin: „Die Idee zu diesen Osti­nati ver­dankt die Kom­pon­istin zum einen Johann Sebas­t­ian Bach, der in eini­gen sein­er Werke rhyth­mis­che Osti­nati ver­wen­dete, zum anderen Got­tfried Wil­helm Leib­niz, der sagte: ‚Musik ist die ver­steck­te math­e­ma­tis­che Tätigkeit der Seele, die sich nicht dessen bewusst ist, dass sie rech­net.‘ Die Osti­nati wer­den näm­lich nicht bewusst, son­dern nur unbe­wusst wahrgenom­men und tra­gen dadurch u.a. dazu bei, dass ein Satz oder ein Abschnitt eines Musik­stücks als Ein­heit wahrgenom­men wird.“ Diese Konzen­tra­tion auf Osti­nati kommt beson­ders deut­lich in dem faszinieren­den Klavier­trio Nr. 4 (2010) zum Aus­druck, mit dem die CD begin­nt.
Dorothee Eber­hardt stellt in ihren Kom­po­si­tio­nen aus den ver­gan­genen Jahren eine überzeu­gende Auswahl von Kam­mer­musik vor. Die Kom­pon­istin und ihre sehr guten Inter­pre­ten haben eine inter­es­sante, span­nungsvolle und empfehlenswerte CD geschaf­fen.
Peter Roggenkamp