Mozart, Wolfgang Amadeus

Konzertsatz E‑Dur für Horn und Orchester KV 494a

ergänzt von Uri Rom, Partitur/Klavierauszug

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Robert Ostermeyer Musikedition, Wernigerode 2007
erschienen in: das Orchester 07-08/2009 , Seite 66

Wolf­gang Amadeus Mozart hat, wie man anhand von Schrift- und Papier­analy­sen erken­nen kann, in den Jahren 1785 bis 1786 einen Konz­ert­satz für Horn und Orch­ester in E‑Dur kom­poniert. Von diesem Werk ist lei­der nur ein Frag­ment erhal­ten und in der Musik­abteilung der Staats­bib­lio­thek Berlin auf­be­wahrt. Dies ist allerd­ings nicht das einzige Konz­ert­frag­ment für Horn von Mozart. Der Ron­dosatz in Es-Dur KV 371 wurde 1989 ver­voll­ständigt, nach­dem ein Frag­ment­teil in New York auf­tauchte. Vom ersten Satz KV 370b fehlen immer noch Frag­ment­teile, es wurde aber bere­its u.a. von Robert D. Levin ver­voll­ständigt. Das hier vor­liegende Werk bein­hal­tet eine Ergänzung von Uri Rom, Kom­pon­ist und Diri­gent in Berlin. Der Frag­ment­teil endet mit Takt 91, nach dem vierten Blatt. Ver­mut­lich wur­den weit­ere Blät­ter von Mozart kom­poniert, die lei­der ver­schollen sind.
Die Orig­i­nalbe­set­zung ist notiert für Corno Prin­ci­pale, 2 Vio­li­ni, Vio­le, 2 Oboe, 2 Corni in E und Bassi. Bei der Beze­ich­nung Vio­le han­delt es sich um eine Bratschen­stimme, da sie ohne dop­pel­ten Noten­schlüs­sel wie zum Beispiel bei den Oboen notiert wurde. Rom entsch­ied sich allerd­ings für zwei Violen in sein­er Fas­sung. Eine sehr gelun­gene Ergänzung zu diesem Werk gibt es bere­its seit 1983 von Her­mann Jeuris­son, der kom­pon­is­ten­treu eine anmutige und auch für Naturhorn gut spiel­bare Ver­sion anfer­tigte. Uri Rom hat sich bei sein­er Ver­voll­ständi­gung des Frag­ments nur bed­ingt an das Vor­bild der Mozart-Hornkonz­erte gehal­ten. Er sieht eher eine enge Ver­wandtschaft zum A‑Dur-Klavierkonz­ert KV 488 und nimmt dieses auf­grund intern­er Pro­por­tio­nen als Vor­bild.
Sein Kom­po­si­tion­sstil ist zwar klas­sisch, aber eher mit dem Anto­nio Roset­tis (1750–1792) zu ver­gle­ichen. Vielle­icht wegen der für Mozarts Ver­hält­nisse ungewöhn­lich lan­gen Ein­leitung, die man eher bei den Konz­erten Roset­tis find­et, entsch­ied er sich, in dessen Stil weit­er zu kom­ponieren.
Die vie­len Sequen­zen in Takt 114 ff. sind für Mozart untyp­isch, eben­so die Tri­olen­fig­ur kurz davor in Takt 106 f. Die zweite Hälfte des Tak­ts 107 erin­nert an Siegfrieds Horn­ruf! Die für Naturhorn sehr dif­fizilen Sechzehn­tel­läufe ab Takt 176 sind von Synkopen im Orch­ester begleit­et. Mozart hat in sein­er Ein­leitung (fast ein Drit­tel des Stücks) keine Synkopen ver­wen­det. Das von Mozart in der Ein­leitung vorgegebene the­ma­tis­che Mate­r­i­al wurde von Rom dur­chaus benutzt und weit­er entwick­elt. Er hätte sich aber noch genauer an das Frag­ment hal­ten kön­nen und das Seit­en­the­ma zum Beispiel in sein­er Ursprungs­gestalt auch in der Solostimme bei der Reprise wiedergeben kön­nen.
Die Aus­gabe der Robert Oster­mey­er Musikedi­tion ist von her­vor­ra­gen­der Qual­ität. Die Noten sind sehr gut leser­lich, das Papi­er hochw­er­tig. Die kurze Ein­leitung von Robert Oster­mey­er ist sach­lich fundiert und infor­ma­tiv. Ein großes Lob Uri Rom für seine Bemühun­gen.
Thomas Swartman