Rosetti, Antonio

Konzert für Oboe und Orchester Nr. 5 in C‑Dur

RWV C29, hg. und mit Kadenzen versehen von Kurt Meier, Partitur/Klavierauszug

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Amadeus, Winterthur 2010
erschienen in: das Orchester 12/2011 , Seite 76

Seit der Freis­taat Bay­ern 1980 die Oettingen-Wallerstein’sche Hof­bib­lio­thek für 40 Mil­lio­nen Mark gekauft und den ansehn­lichen Bestand nicht nur zahlre­ich­er Musik­er­hand­schriften der Augs­burg­er Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek übergeben hat, sind ansehn­liche Werke des ehe­ma­li­gen Kapellmeis­ters und böh­mis­chen Kom­pon­is­ten Anton Rösler bzw. Anto­nio Roset­ti an das Licht der Öffentlichkeit gelangt. So nun auch das Oboenkonz­ert in C‑Dur, sein fün­ftes RWV 29 im Band 9 der „Rei­he C: Konz­erte“, welch­es 2010 im Win­terthur­er Musikver­lag Amadeus als Erst­druck erschienen ist und wofür Kurt Meier ver­ant­wortlich zeich­net. Her­aus­ge­ber ist die Inter­na­tionale Roset­ti-Gesellschaft mit ihrem Schriftleit­er Gün­ther Grün­s­teudel, der zusam­men mit Meier zudem das Vor­wort ver­fasste.
Und so basiert diese Aus­gabe auch vor­wiegend auf dem unvoll­ständi­gen und undatierten Stim­men­satz aus Augs­burg: Die Solostimme sowie die der Vio­la I und der bei­den Flöten lagern dort nur in Kopie. Die Orig­i­nale befind­en sich in der Meck­len­bur­gis­chen Lan­des­bib­lio­thek Schw­erin. Offen­sichtlich ist das ver­mut­lich 1781/82 ent­standene Konz­ert, das inter­es­san­ter­weise mit je zwei Flöten und Hörn­ern, geteil­ten Bratschen und wie üblich mit ein­er col­la parte notierten Bass-/Vi­o­lon­cel­lo-Stimme beset­zt ist, in der Wallerstein’schen Hofkapelle auch gespielt wor­den, und zwar von dem Wid­mungsträger Got­tfried Kli­er selb­st. Der ist 1780 dort als 1. Oboist einge­treten. Roset­ti war ver­mut­lich im Sep­tem­ber 1773 zunächst als Kon­tra­bassist in die Dien­ste des Fürsten Kraft Ernst zu Oet­tin­gen-Waller­stein getreten und hat­te 1785 für vier Jahre die musikalis­che Leitung der Hofkapelle über­nom­men, wofür er als pro­duk­tiv­er Kom­pon­ist zahlre­iche Sin­fonien, Konz­erte, Vokal- und Kam­mer­musik – u.a. auch für Bläs­er – schrieb: mehr als 400 Einzel­w­erke.
Roset­ti hat sich offen­bar den tech­nis­chen Möglichkeit­en seines Soloobois­t­en Kli­er auf wun­der­bare Weise angepasst und ihm das Konz­ert auf dem Leib geschrieben. Beson­ders der stilis­tisch sich an Haydn, Mozart und von Dit­ters­dorf ori­en­tierende Kopf­satz liegt aus­geze­ich­net in den Fin­gern mit einem beque­men Ton­um­fang von c’ bis zum d”’ und ist ohne große Schwierigkeit­en rel­a­tiv schnell erlern­bar. Bemerkenswert ist die neue rhyth­mis­che Kom­po­nente franzö­sis­ch­er Idiomatik, welche in der Reprise unvor­bere­it­et auf­taucht und dem Satz eine gewisse Spritzigkeit ver­lei­ht. Während der langsame Satz in der Moll­dom­i­nante zum Träu­men ein­lädt und der Solist hier seinen gold­e­nen Ton ent­fal­ten kann, ist der für den Solis­ten dur­chaus dankbar zu bewälti­gende und nicht allzu schwierige Final­satz ein für diese Zeit typ­is­ches Ron­do mit den eben­so unverkennbaren Cou­plets und Moll-Ritor­nellen. Die Aus­gabe mit den Kaden­zen von Meier ist für den prak­tis­chen Gebrauch ohne Kennze­ich­nung etwaiger Her­aus­ge­berzu­tat­en ein­gerichtet – und verzichtet somit auf einen Kri­tis­chen Bericht – und ver­fügt über ein sehr gut les­bares Noten­bild: ein wirk­lich reizen­des Konz­ert nicht nur zum Spie­len.
Wern­er Boden­dorff