Hoffmeister, Franz Anton

Konzert für Kontrabass und Orchester “Nr. 1” (mit obligater Violine)

Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2009
erschienen in: das Orchester 06/2010 , Seite 65

Franz Anton Hoffmeis­ter (1754–1812) wurde in der kleinen schwäbis­chen Bischof­sstadt Rot­ten­burg am Neckar geboren. Von dort aus ging er nach Wien, ver­di­ente seinen Leben­sun­ter­halt als Organ­ist und ließ sich juris­tisch und musikalisch aus­bilden. Schon bald begann er sich als Ver­leger von Musikalien zu betäti­gen, haupt­säch­lich natür­lich von seinen eige­nen Werken. Und er war als Kom­pon­ist über­aus frucht­bar, er schrieb u.a. neun Opern, vier Sin­fonien, viele Solokonz­erte, zahlre­iche Kam­mer­musiken. Hoffmeis­ter war mit Mozart befre­un­det, ver­legte als erster Beethovens Sonate Pathé­tique und wurde von Haydn als „geiziger Charak­ter“ beze­ich­net. Zusam­men mit Ambro­sius Küh­nel grün­dete er in Leipzig das „Bureau de musique“, das später in den C.F. Peters Ver­lag aufging. Nach dem Tod seines Kom­pagnons ging er nach Wien zurück, wo er auch starb. Von den Kom­po­si­tio­nen Hoffmeis­ters ist heute fast alles vergessen, zu sein­er Zeit waren die Werke jedoch wegen ihrer flüs­si­gen Sprache und Eingängigkeit sehr beliebt. Die bei­den Bratschenkonz­erte ste­hen noch immer als Probe­spiel-Lit­er­atur an und auch die Kon­tra­bassis­ten prof­i­tieren von seinen ins­ge­samt drei Konz­erten, von denen das erste am bekan­ntesten ist. Die Zählweise ist jedoch nicht gesichert, da Hoffmeis­ter sie wed­er num­merierte noch datierte. Deshalb ste­ht das Konz­ert „Nr. 1“ meist in Anführungsze­ichen.
Von diesem in der stre­icher­fre­undlichen Tonart D‑Dur ste­hen­den Konz­ert gab es bish­er nur eine Aus­gabe für Kon­tra­bass und Klavier in den bei­den Ver­la­gen Bre­itkopf & Här­tel und Hen­le. Die 1966 vorgelegte Par­ti­tur erwies sich lei­der als recht fehler­haft. Tobias Glöck­ler, Kon­tra­bassist der Dres­d­ner Phil­har­monie, der sich einen Namen als fachkom­pe­ten­ter Bear­beit­er und Her­aus­ge­ber machen kon­nte, stellt jet­zt in ein­er Neuaus­gabe den ver­lässlichen Urtext vor. Der Solopart kann dabei sowohl in der Orch­ester- als auch der Solostim­mung gespielt wer­den, selb­st die his­torische „Wiener Stim­mung“ ist möglich. Die Orch­ester­stim­men in D‑Dur mit zwei Oboen, zwei Hörn­ern, Stre­ich­ern und Cem­ba­lo gibt es bei Bre­itkopf zu kaufen. Auf Wun­sch kön­nen noch ein Fagott, zwei Trompe­ten und Pauken ad libi­tum einge­set­zt wer­den. Das Mate­r­i­al in C‑Dur kann man dage­gen nur lei­h­weise bekom­men.
Zwis­chen den bei­den ein­fall­sre­ichen und spiel­freudi­gen Alle­gri ste­ht ein gesan­glich­es Ada­gio mit der Beson­der­heit, dass eine oblig­ate Geige in ein Duett mit dem Kon­tra­bass tritt. Diese reizende Idee, zwei so weit auseinan­der­liegende Instru­mente miteinan­der „sin­gen“ zu lassen, griff Gio­van­ni Bottesi­ni in seinem Gran Duo Con­cer­tante später wieder auf. Eine weit­ere Kuriosität ist die Tat­sache, dass die Stimme des „Con­tra­b­bas­so princi­pale“ im Vio­lin­schlüs­sel notiert ist, also zwei Oktaven höher als der reale Klang. Glöck­ler fol­gt damit aber der dama­li­gen Gepflo­gen­heit.
Die in Koop­er­a­tion von Bre­itkopf und Hen­le veröf­fentlichte Par­ti­tur des etwa 18 Minuten dauern­den Konz­erts ist grafisch sehr über­sichtlich gestal­tet. Dem Solis­ten wer­den an ver­schiede­nen Stellen Aus­führungsvorschläge ange­boten, die der Diri­gent hier mitver­fol­gen kann. Die Neu­veröf­fentlichung ist eine große Hil­fe für die Auf­führung dieses reizen­den und hörenswerten Konz­erts, das man nicht nur für die Probe­spiele studieren sollte.
Wolf­gang Teub­n­er