Winter, Peter von

Konzert für Klarinette und Orchester Es-Dur / Sinfonie Nr. 3 B‑Dur / Aria für Sopran, Solo-Klarinette und Streicher / Sinfonie Nr. 2 F‑Dur

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Orfeo C 192 041 A
erschienen in: das Orchester 02/2005 , Seite 80

Zu Lebzeit­en galt Peter von Win­ter (1754–1825) als europäis­che Berühmtheit. Der ein­flussre­iche Kapellmeis­ter am Münch­n­er Hof genoss als Kom­pon­ist erfol­gre­ich­er Opern, Bal­lette, Kam­mer- und Kirchen­musik sowie als Päd­a­goge hohes Anse­hen. Die Nach­welt indessen ist geteil­ter Mei­n­ung über ihn. Heute ist von Win­ter haupt­säch­lich als Opernkom­pon­ist bekan­nt. Er gehörte nicht zu jenen Kün­stlern, die musikalisch Neues fan­den oder erfan­den, vielmehr griff er ver­schiedene Ein­flüsse sein­er Zeit auf und brachte sie zu glück­lich­er Syn­these. Sein Ver­hält­nis gegenüber Mozart, zu dessen Zauber­flöte er das Fort­set­zungswerk Das Labyrinth schuf, soll ges­pan­nt gewe­sen sein.
Der junge Peter spielte schon als knapp Zehn­jähriger Geige in der Mannheimer Hofkapelle. Sein Tal­ent wurde früh erkan­nt und er nahm Unter­richt bei ver­schiede­nen Hof­musik­ern, später war er kurze Zeit Schüler Georg Joseph Voglers und Anto­nio Salieris. 1778 ver­legte Karl Theodor seinen Hof von Mannheim nach München. Win­ter stieg in den Rang des Orch­es­ter­di­rek­tors auf. Im frucht­baren kul­turellen Kli­ma der bay­erischen Res­i­den­zs­tadt erfuhr Win­ters kom­pos­i­torisches Schaf­fen neue Impulse. Bish­er hat­te er sich auss­chließlich der Instru­men­tal­musik gewid­met, nun wandte er sich der Büh­nen­musik zu. Seine Oper Das unter­broch­ene Opfer­fest von 1796 ver­half ihm inter­na­tion­al zum Durch­bruch. Zwei Jahre später avancierte er zum Kapellmeis­ter. Die von Maria There­sia in Auf­trag gegebene Oper Col­mal von 1809 betra­chtete er selb­st als beson­ders erfol­gre­iche Arbeit. Sie gehört zu den früh­esten roman­tis­chen Opern. Anlässlich seines 50-jähri­gen Dien­stju­biläums 1814 erhielt der Kom­pon­ist den Zivil­dien­stor­den der bay­erischen Kro­ne und wurde in den per­sön­lichen Adels­stand erhoben. In seinen späten Leben­s­jahren kom­ponierte Peter von Win­ter vor­wiegend Kirchen­musik. In seinem Todes­jahr erschien die Voll­ständi­ge Singschule in zwei Teilen.
Eine Vielzahl sein­er kam­mer­musikalis­chen Werke stammt aus der frühen Schaf­fen­szeit, auch das Konz­ert für Klar­inette und Orch­ester Es-Dur ent­stand ver­mut­lich in Mannheim. In den abwech­slungsre­ichen Rah­men­sätzen gibt von Win­ter dem Klar­inet­tis­ten sämtliche Möglichkeit­en, die charak­ter­is­tis­che Klang­palette des Soloin­stru­ments vir­tu­os auszukosten. Der har­monisch schlichte Ada­gio-Satz lebt ganz von der kantablen Melodielin­ie, welche die Klar­inette zeich­net. Frisch und anmutig klingt das Spiel Dieter Klöckers.
Nicht nur als Musik­er, son­dern auch als Musik­forsch­er uner­müdlich aktiv ent­deck­te Klöck­er in Tschechien von Win­ters Konz­er­tarie Torni al tuo sen la cal­ma. Sopran und Klar­inette wet­teifern hier im reizvollen Miteinan­der. Dieter Klöck­er find­et in Isol­de Siebert eine vortr­e­f­fliche Part­ner­in für diesen musikalis­chen Dia­log. Die zweite und dritte Sin­fonie wer­den vom Süd­west­deutschen Kam­merorch­ester Pforzheim nuan­cen­re­ich inter­pretiert. Ital­ienis­che und franzö­sis­che Stilele­mente verbinden sich in den dreisätzi­gen Orch­ester­w­erken, die um 1780 ent­standen. Das Beson­dere dieser CD ist, dass es sich bei allen Auf­nah­men um Erstein­spielun­gen han­delt, die damit einem größeren Pub­likum zugänglich gemacht wer­den können.
Juliane Bal­ly