Eichner, Ernst

Konzert für Fagott und Orchester C‑Dur

hg. von Eberhard Buschmann, Klavierauszug

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Accolade, Warngau 2011
erschienen in: das Orchester 10/2011 , Seite 64

„Holde Anmut und zer­schmelzende Süßigkeit“, so beschrieb Daniel Schubart Ende des18. Jahrhun­derts die Kom­po­si­tio­nen von Ernst Eich­n­er. Er fand hier­bei Unter­stützung durch den englis­chen Musik­wis­senschaftler und Ken­ner der europäis­chen Musik­szene Charles Bur­ney, der sich über Eich­n­ers Fagottspiel begeis­terte und rühmte, dass dieser „dem Bas­son das all­ge­meine Anse­hen unter den singbaren Instru­menten ver­schaffte, auf welch­es er sein­er Natur nach Anspruch hat“. So wurde er von seinen Zeitgenossen hochgeschätzt und erre­ichte zu Lebzeit­en als Kom­pon­ist und vor allen Din­gen als Fagot­tist einen inter­na­tionalen Ruf.
Eich­n­er wurde 1740 in Arolsen geboren und wurde von seinem Vater Johann Andreas Eich­n­er, Fagot­tist in der Hofkapelle des Fürstlich-Waldeckschen Hofes, aus­ge­bildet. Im Jahr 1762 trat er in die Dien­ste des Her­zogs Chris­t­ian IV. von Pfalz-Zweibrück­en. Es ist anzunehmen, dass er vor dieser Anstel­lung in Mannheim bei dem berühmten Fagot­tis­ten der Hofkapelle Hein­rich Rit­ter Unter­richt nahm. Neben sechs Fagot­tkonz­erten kom­ponierte er als Schw­er­punkt seines Wirkens u.a. 31 Sin­fonien, Kam­mer­musik und 20 Konz­erte.
Nach zehn Jahren als Hof­musikus in Zweibrück­en und als hoch ange­se­hen­er Fagottvir­tu­ose mit Konz­ertreisen u.a. nach Frank­furt, Paris und Lon­don ging er im Jahr 1772 nach Lon­don. Danach wech­selte er im August des Jahres 1773 nach Pots­dam in den Dienst des Kro­n­prinzen Friedrich Wil­helm. Dort starb er 1777 im Alter von nur 37 Jahren.
Dieses Fagot­tkonz­ert in C‑Dur ist dreisätzig (Alle­gro mod­er­a­to, Ada­gio, Alle­gro), bewegt sich inner­halb ein­er ein­fachen Har­monik zwis­chen Barock und Klas­sik. Der Wech­sel zwis­chen gesan­glich­er The­matik und den dur­chaus anspruchsvollen tech­nis­chen Pas­sagen dieses Werks stellen auch die instru­men­tal­en und bläserischen Fähigkeit­en des Kom­pon­is­ten und dama­li­gen Solis­ten unter Beweis. So überzeugt nicht nur der langsame Satz in sein­er reich­lich aus­gezierten und aus­drucksvollen Melodik, son­dern auch der musikan­tis­che let­zte Satz mit seinem Jagd- bzw. Fan­far­en­the­ma. Im Anhang wer­den außer­dem noch zwei Kaden­zen ange­boten – wahrschein­lich aus der Fed­er von Ernst Eich­n­er. Dieses Konz­ert ist mit­telschw­er und bere­ichert mit Sicher­heit die Fagot­tlit­er­atur dieser Epoche.
Eber­hard Buschmann, emer­i­tiert­er Fagottpro­fes­sor der Würzburg­er Musikhochschule, gebührt Lob und Anerken­nung für diese Aus­grabung in der Lan­des­bib­lio­thek Schw­erin und die Wieder­bele­bung dieses liebenswürdi­gen Stücks mit dem von ihm ein­gerichteten über­sichtlichen Klavier­auszug. Wie beim Acco­lade-Ver­lag üblich, ist der Noten­druck von hoher Qual­ität, auch in der Über­sichtlichkeit des Noten­textes und im Papi­er.
Alfred Rinderspacher